DATUM
2.7.2026
AUTOREN
THEMEN
Governance & Regulatorik
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Stand: Juli 2026
Der Digital Product Passport (digitaler Produktpass, DPP) wird für immer mehr Produktgruppen zur Pflicht – aber nicht auf einen Schlag, sondern gestaffelt über einzelne Rechtsakte. Den Rahmen setzt die EU-Ökodesign-Verordnung ESPR; der erste verbindliche Produktpass startet mit dem Batteriepass am 18. Februar 2027. Dieser Beitrag ordnet ein, wer ab wann betroffen ist, welche Daten der DPP enthalten soll und wie der Fahrplan bis 2030 aussieht.
Der Digital Product Passport (DPP) ist ein maschinenlesbarer Datensatz, der ein Produkt entlang seines Lebenszyklus beschreibt und über einen Datenträger (z. B. QR-Code) zugänglich macht. Er bündelt Informationen zu Materialien, Reparierbarkeit, Recyclinganteil, Umweltwirkung und Entsorgung. Rechtsgrundlage ist die Ökodesign-Verordnung ESPR (EU) 2024/1781.
Digital Product Passport (DPP): Strukturierter, digital zugänglicher Datensatz zu einem Produkt, vorgeschrieben durch die ESPR (EU) 2024/1781. Ziel ist mehr Transparenz über Materialien, Kreislauffähigkeit und Umweltwirkung – für Behörden, Wirtschaftsakteure und Verbraucher. Die konkreten Datenanforderungen legt je Produktgruppe ein delegierter Rechtsakt fest.
Wichtig ist die Logik dahinter: Die ESPR ist der Rahmen, aber sie macht noch kein einzelnes Produkt DPP-pflichtig. Verbindlich wird der Pass erst, wenn für eine Produktgruppe ein delegierter Rechtsakt in Kraft tritt. Deshalb ist die zentrale Frage für Unternehmen nicht ‚ob DPP‘, sondern ‚wann für mein Produkt‘.
Zuerst betroffen sind Batterien: Der Batteriepass ist ab dem 18. Februar 2027 Pflicht – geregelt nicht über die ESPR, sondern über die separate Batterie-Verordnung (EU) 2023/1542. Danach folgen die ESPR-Produktgruppen gestaffelt. Für Eisen & Stahl ist die Annahme des Rechtsakts indikativ für 2026 angesetzt, Textilien folgen voraussichtlich 2027, mit Geltung rund 18 Monate später.
ProduktgruppeRechtsgrundlageIndikativer ZeitpunktBatterien (LMT, Industrie > 2 kWh, EV)Batterie-VO (EU) 2023/1542Pflicht ab 18. Februar 2027Eisen & StahlESPR-RechtsaktAnnahme indikativ 2026Textilien & BekleidungESPR-RechtsaktAnnahme ~2027, Geltung ~2028/2029Möbel, Reifen, Aluminium u. a.ESPR-Rechtsakt2027–2030 (gestaffelt)
Die genannten Termine sind indikativ (Stand des ESPR-Arbeitsplans COM(2025) 187) – das verbindliche Datum steht jeweils erst im veröffentlichten delegierten Rechtsakt. Wer in diesen Ketten liefert, sollte den für die eigene Produktgruppe relevanten Rechtsakt aktiv verfolgen.
Die konkreten Datenfelder legt jeder delegierte Rechtsakt für seine Produktgruppe fest – einen einheitlichen Pflichtkatalog für alle Produkte gibt es nicht. Über die Produktgruppen hinweg zeichnen sich aber wiederkehrende Datenkategorien ab:
Für die Umweltdaten ist die Datenbasis entscheidend: Ein belastbarer Product Carbon Footprint (PCF) und eine methodisch saubere Ökobilanzierung (LCA) liefern genau die Werte, die der DPP produktscharf abfragt.
Für Unternehmen verschiebt der DPP die Arbeit von der Kommunikation zur Datenhaltung: Nicht die Darstellung entscheidet, sondern ob produktscharfe, belastbare Daten über die Lieferkette hinweg vorliegen. Das betrifft Einkauf, Produktmanagement und Nachhaltigkeit gleichermaßen – und überschneidet sich mit Datenanforderungen aus der Berichterstattung nach CSRD.
In der Praxis liegt die eigentliche Hürde in der Lieferkette: Materialzusammensetzung, Recyclinganteil und Produkt-CO₂-Werte müssen von Vorlieferanten kommen und konsistent gepflegt werden. Wer diese Datenflüsse früh aufsetzt, muss sie später nicht unter Fristdruck rekonstruieren.
Aus Beratungssicht: Der gestaffelte Start wird leicht unterschätzt. Weil ‚der DPP‘ für viele Produktgruppen erst 2028 oder später greift, wirkt das Thema unverbindlich. Der Aufbau der Datenbasis dauert aber länger als die eigentliche Umsetzung des Passes – vor allem, wenn Produkt-CO₂-Werte und Materialdaten erst bei Vorlieferanten erhoben werden müssen.
Unsere Empfehlung: den für die eigene Produktgruppe relevanten Rechtsakt jetzt identifizieren, die benötigten Datenfelder aus vorhandenen PCF-/LCA-Projekten ableiten und die Lücken in der Lieferkette schließen. Der Batteriepass 2027 ist dabei die beste Blaupause – er zeigt konkret, welche Datentiefe eine Behörde erwartet.
Der DPP kommt gestaffelt, aber verlässlich: Batterien 2027, Eisen & Stahl und Textilien in den Jahren danach. Für Unternehmen ist der sinnvolle nächste Schritt nicht die Passtechnik, sondern die produktscharfe Datenbasis – Materialdaten, Recyclinganteil und CO₂-Werte aus der Lieferkette. Wer den relevanten Rechtsakt kennt und die Datenlücken früh schließt, kommt ohne Fristdruck durch.
Digital Product Passport: Datenbasis aus PCF und LCA vorbereiten. Ein kurzes Erstgespräch klärt, welche Produktdaten Ihr DPP künftig braucht und wie Sie die Lücken in der Lieferkette schließen. Erstgespräch vereinbaren.
Dr. Florian Niedermeier, Five Glaciers Consulting GmbH. Berät Industrieunternehmen zu Produkt-CO₂-Bilanzierung, Ökobilanzierung und produktbezogenen Datenanforderungen wie dem Digital Product Passport.
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