Warum ESG-Ratings jährlich anders funktionieren und wie Unternehmen Risiken senken
Viele Unternehmen erleben aktuell eine Abwertung ihres EcoVadis-Ratings, obwohl Policies, Maßnahmen und Kennzahlen weitgehend stabil geblieben sind. Der Grund liegt nicht in schlechterer Leistung, sondern in der relativen Logik moderner ESG-Ratings, verschärften Benchmarks und steigenden Erwartungen an Governance und Datenqualität. Dieser Artikel zeigt, warum Bewertungen fallen, was sich im System geändert hat – und wie Unternehmen strukturell gegensteuern können
Kernaussage zur relativen Abwertung
EcoVadis bewertet nicht absolut, sondern relativ gegen Peergroups. Wenn die Gesamtperformance im Markt schneller wächst als deine, fällt dein Ranking – selbst wenn deine eigenen Maßnahmen stabil oder leicht verbessert sind.
ESG-Ratings werden zur Benchmark
EcoVadis, CDP und vergleichbare ESG-Ratings haben sich in den letzten Jahren von freiwilligen Reputationssignalen zu harten Marktzugangs- und Steuerungsinstrumenten entwickelt. Für viele Unternehmen entscheiden sie heute darüber,
ob sie an Ausschreibungen teilnehmen dürfen,
ob Lieferantenbeziehungen fortgeführt werden,
wie Banken und Investoren Risiken bewerten.
Die Marktdynamik ist eindeutig:
EcoVadis bewertete 2024 weltweit rund 49.000 Unternehmen – ein Wachstum von über 160 % seit 2020. CDP verzeichnete im Reporting-Jahr 2023 mehr als 23.000 berichtende Organisationen, mehr als doppelt so viele wie drei Jahre zuvor.
Implikation: ESG-Ratings sind heute vergleichbare Marktinfrastruktur – und entwickeln sich kontinuierlich weiter.
Viele Unternehmen reagieren irritiert, wenn sich ihr EcoVadis-Rating verschlechtert, obwohl intern „eigentlich alles gleich geblieben ist“. Genau hier liegt der Denkfehler.
EcoVadis bewertet nicht absolut, sondern relativ – und diese Logik hat sich in den letzten Jahren weiter verschärft.
Drei strukturelle Gründe für Abwertungen
Relative Bewertung statt Eigentracking
Entscheidend ist nicht, ob sich das eigene Unternehmen verbessert, sondern wie schnell sich die Peergroup entwickelt. Bleibt man stehen, fällt man relativ zurück.
Steigende Benchmarks & Methodik-Updates
Neue Gewichtungen, höhere Anforderungen an Nachweise und stärkere Ergebnisorientierung führen dazu, dass frühere „Best Practices“ heute nur noch Durchschnitt sind.
Governance-Reife als Differenzierungsfaktor
Unternehmen mit integrierten ESG-Strukturen reagieren schneller auf neue Anforderungen als solche mit punktuellen, dokumentationsgetriebenen Ansätzen.
Wichtig: Eine Abwertung bedeutet selten, dass ein Unternehmen schlechter geworden ist – sondern dass sich das Bewertungssystem weiterentwickelt hat.
Die stille Abwertung
Relative Bewertung
EcoVadis bewertet relativ: Wenn der Markt schneller wächst als dein Unternehmen, fällt das Perzentil trotz stabiler Leistung.
Methodik-Updates
Regelmäßige Anpassungen in EcoVadis und CDP verschärfen Anforderungen an Nachweise und Benchmarks.
Governance & Daten
Unternehmen mit integrierten Daten- & Governance-Strukturen kommen schneller mit Updates und Anforderungen klar.
EcoVadis misst Tempo, nicht nur Substanz
In der Beratungspraxis sehen wir regelmäßig: Unternehmen verlieren nicht, weil sie nichts tun, sondern weil sie nicht schneller sind als der Markt. EcoVadis ist kein Prüfstein für gute Absichten – sondern für organisationale Reife und Reaktionsfähigkeit.
Unsere Handlungsempfehlung
Nicht „Score halten“, sondern jährlich strukturell besser werden als die Peergroup.
Warum ESG-Ratings wirtschaftlich relevant sind
Die Relevanz von ESG-Ratings geht heute weit über Nachhaltigkeitskommunikation hinaus. Sie entfalten direkte ökonomische Wirkung auf drei Ebenen:
1. Marktzugang & Umsatzsicherung
In vielen Branchen (Automotive, Chemie, Industrie) sind Mindest-EcoVadis-Scores faktische Eintrittsvoraussetzungen für Ausschreibungen.
2. Finanzierung & Kapitalkosten
Studien von MSCI ESG Research und Deloitte zeigen einen klaren Zusammenhang zwischen hohen ESG-Ratings und niedrigeren Eigen- und Fremdkapitalkosten.
3. Interne Effizienz & Steuerungsfähigkeit
Ratings erzwingen konsistente Datenmodelle, klare Verantwortlichkeiten und belastbare Prozesse – mit positiven Effekten weit über das Rating hinaus.
ROI von ESG-Ratings: Warum sich Investitionen früh rechnen
Der wirtschaftliche Nutzen von ESG-Ratings entsteht häufig nicht durch zusätzliche Umsätze, sondern durch vermeidene Verluste.
Ein typisches Praxisbeispiel:
Ein mittelständischer Zulieferer riskiert den Verlust von ≈ 2 Mio. € Jahresumsatz, wenn ein gefordertes EcoVadis-Mindest-Rating nicht erreicht wird.
Investitionen in ESG-Systeme, Datenqualität und Governance sind damit Risikomanagement, nicht Zusatzaufwand.
Welche ESG-Ratings sind strategisch relevant?
Nicht jedes Rating ist für jedes Unternehmen gleich wichtig. Entscheidend ist die Stakeholder-Logik.
Strategischer Fehler: Alle Ratings gleich behandeln.
Strategischer Ansatz: Ratings gezielt dort priorisieren, wo sie wirtschaftlich entscheiden.
Welche ESG-Ratings sind strategisch relevant?
ESG-Rating / System
Inhaltlicher Fokus
Hauptzielgruppe
Typische Nutzung
Teilnehmende Unternehmen
EcoVadis
ESG- & Lieferkettenmanagement
B2B-Kunden, Einkauf
Lieferantenauswahl, Ausschreibungen
~49.000 (2024)
CDP
Klima, Scope 1–3, Risiken
Investoren, Banken, B2B
Risiko- & Klimabewertung
~23.000 (2023)
Sustainalytics
ESG-Risiken & Governance
Kapitalmarkt
Risikoscoring
~15.000 (2025)
B Corp
Ganzheitliche Nachhaltigkeit
Konsumenten, HR
Marken- & Kulturpositionierung
~10.000 (2025)
Branchenspezifisch (z. B. TfS)
Sektorale ESG-Anforderungen
Großkunden, Branchenverbünde
Pflichtstandards & Audits
>50 Konzerne
Hinweis: Relevanz und Priorität der Ratings hängen stark von Branche, Kundenstruktur und Kapitalmarktzugang ab.
Viele schwache Rating-Ergebnisse sind nicht fachlich begründet, sondern strukturell. ESG-Daten liegen häufig in isolierten Dateien, Zuständigkeiten sind unklar, Kennzahlen nicht konsistent.
Erfolgreiche Unternehmen verfolgen einen anderen Ansatz:
Sie integrieren ESG-Kennzahlen systematisch in bestehende Steuerungs- und Datenlandschaften – insbesondere Finance, Einkauf und Risikomanagement. Dadurch entstehen einheitliche Datenräume, die Reporting, Ratings und Management gleichermaßen bedienen.
Ein klar definiertes Governance-Modell ist dabei zentral:
Geschäftsführung bzw. CFO verantworten KPI-Konsistenz,
ESG-Leitung steuert Framework-Logik und Prioritäten,
Fachbereiche liefern belastbare Daten und Maßnahmen.
Wo diese Struktur greift, verbessern sich Rating-Ergebnisse, Prüfungssicherheit und Effizienz gleichzeitig.
Von der Integration zur Wertschöpfung
Mit zunehmender regulatorischer Harmonisierung – etwa durch die EU-Verordnung zu ESG-Rating-Aktivitäten und die ESRS-Weiterentwicklung – verschiebt sich der Fokus weiter von Dokumentation zu Steuerungsfähigkeit.
Unternehmen, die ESG-Daten heute vorausschauend als Teil ihrer Management-Architektur aufbauen, profitieren doppelt:
Sie reduzieren künftige Anpassungskosten und erhöhen ihre Fähigkeit, auf neue Anforderungen schnell zu reagieren.
ESG-Ratings werden damit zum Indikator organisationaler Anpassungsfähigkeit – und genau darin liegt ihr strategischer Wert.
Fazit
Wenn EcoVadis-Ratings schlechter werden, liegt das selten an fehlendem Engagement – sondern an fehlender struktureller Weiterentwicklung. Unternehmen, die ESG-Ratings aktiv steuern, sichern sich nicht nur bessere Scores, sondern dauerhaften Zugang zu Märkten, Kapital und Partnerschaften.
Wer nur reagiert, fällt zurück.
Wer integriert, bleibt voraus.
WieEcoVadis & CDP steuern statt zu bestehen
EcoVadis & CDP Rating gezielt verbessern
Nachhaltigkeitsratings wie EcoVadis und CDP sind heute strategische Steuerungsinstrumente. Wir unterstützen Sie dabei, diese Ratings systematisch zu verbessern – datenbasiert, prüfungssicher und wirtschaftlich wirksam.
Five Glaciers Consulting erhält die EcoVadis Goldmedaille
Best Practices
CDP-Berichterstattung 2025: Die umfassende Guideline für ein erfolgreiches CDP-Rating
Klimamanagement
Erfahrungen & Kommentare
Ratings & Zertifizierungen
Science Based Targets Initiative (SBTi) - Zertifizierung für das Setzen von Klimazielen
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