Glossar

Scope-3-Emissionen (Lieferkette)

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Scope-3-Emissionen (Lieferkette)

DATUM

21.08.2026

AUTOR

Dr. Merlin C. Köhnke

Dr. Merlin C. Köhnke

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Scope-3-Emissionen sind alle indirekten Treibhausgasemissionen, die entlang der Wertschöpfungskette eines Unternehmens entstehen und nicht in Scope 1 oder Scope 2 fallen. Das Greenhouse Gas Protocol gliedert sie in 15 Kategorien, acht davon vorgelagert (upstream), sieben nachgelagert (downstream). Sie werden nicht im eigenen Betrieb verursacht, sondern bei Lieferanten, Transporteuren, Kunden und Kapitalanlagen.

Wie grenzt sich Scope 3 von Scope 1 und Scope 2 ab?

Die drei Bilanzierungsbereiche unterscheiden sich nach der Kontrolle über die Emissionsquelle, nicht nach ihrer Höhe. Wer den Unterschied kennt, weiß auch, warum Scope 3 aufwendiger zu erheben ist: Die Daten liegen außerhalb des eigenen Hauses.

BereichEmissionsquelleDatenherkunftTypische Beispiele
Scope 1Eigene oder kontrollierte AnlagenZähler, Tankbelege, AnlagenbuchErdgasheizung, Fuhrpark, Kältemittelverluste
Scope 2Eingekaufte EnergieStromrechnung, HerkunftsnachweiseStrom, Fernwärme, Dampf
Scope 3Vor- und nachgelagerte WertschöpfungsketteLieferantendaten, Einkaufsdaten, SekundärfaktorenEingekaufte Güter, Geschäftsreisen, Nutzung verkaufter Produkte

Eine ausführliche Abgrenzung von Scope 1, 2 und 3 mit Rechenbeispielen vertieft die einzelnen Bereiche.

Welche 15 Kategorien umfasst Scope 3?

Der Corporate Value Chain (Scope 3) Accounting and Reporting Standard des GHG Protocol (2011) definiert 15 Kategorien. Die Nummerierung ist verbindlich und wird von CSRD-Berichten, CDP-Fragebögen und SBTi-Einreichungen gleichermaßen verwendet.

Nr.KategorieLage
3.1Eingekaufte Güter und Dienstleistungenupstream
3.2Kapitalgüterupstream
3.3Brennstoff- und energiebezogene Aktivitätenupstream
3.4Transport und Distribution (vorgelagert)upstream
3.5Abfall aus dem Betriebupstream
3.6Geschäftsreisenupstream
3.7Pendeln der Mitarbeitendenupstream
3.8Gemietete oder geleaste Sachanlagenupstream
3.9Transport und Distribution (nachgelagert)downstream
3.10Weiterverarbeitung verkaufter Produktedownstream
3.11Nutzung verkaufter Produktedownstream
3.12Entsorgung verkaufter Produktedownstream
3.13Vermietete oder verleaste Sachanlagendownstream
3.14Franchisedownstream
3.15Investitionendownstream

Diese Systematik ist derzeit in Überarbeitung. Im Phase-1-Zwischenstand vom März 2026 diskutiert die zuständige Arbeitsgruppe des GHG Protocol unter anderem eine Mindestabdeckung von 95 Prozent der berichtspflichtigen Scope-3-Emissionen sowie eine neue Kategorie 16 für Wertschöpfungsaktivitäten, die sich keiner der bisherigen 15 zuordnen lassen. Der Stand ist ausdrücklich als Entwurf gekennzeichnet und noch nicht konsultiert.

Wo ist Scope 3 regulatorisch verankert?

Für berichtspflichtige Unternehmen in der EU ist Scope 3 keine freiwillige Ergänzung. Die Angabepflicht E1-6 der delegierten Verordnung (EU) 2023/2772 verlangt die Offenlegung der Scope-3-Bruttoemissionen in Tonnen CO₂-Äquivalent neben Scope 1, Scope 2 und den Gesamtemissionen.

Für Klimaziele gilt eine eigene Logik: Der Corporate Net-Zero Standard V2 der Science Based Targets initiative verlangt ein Reduktionsziel für jede Scope-3-Kategorie, die für sich genommen 5 Prozent oder mehr der gesamten Scope-3-Emissionen ausmacht — geprüft über die Kategorien 1 bis 14. Die frühere Regel aus Version 1, wonach Scope-3-Ziele erst ab einem Anteil von 40 Prozent an den Gesamtemissionen verpflichtend waren, ist damit abgelöst.

Was Scope 3 für Unternehmen bedeutet

Die Größenordnung ist der eigentliche Grund für den Aufwand. Laut dem Bericht Scope 3 Upstream: Big Challenges, Simple Remedies von BCG und CDP vom Juni 2024 lagen die berichteten Scope-3-Lieferkettenemissionen im Jahr 2023 im Durchschnitt beim 26-Fachen der Emissionen aus dem eigenen Betrieb. Gleichzeitig hatten nur 15 Prozent der berichtenden Unternehmen überhaupt ein Scope-3-Ziel gesetzt.

Der häufigste Fehler in unseren CCF-Projekten liegt nicht in der Rechnung, sondern in der Reihenfolge: Unternehmen starten mit Lieferantenabfragen, bevor die Einkaufsdaten sauber nach Warengruppen strukturiert sind. Das Ergebnis sind Rückläufe unter 20 Prozent und ein Datensatz, der sich nicht konsolidieren lässt. Der belastbarere Weg ist umgekehrt — erst ein Screening über ausgabenbasierte Faktoren, um die zwei oder drei dominierenden Kategorien zu identifizieren, dann die Lieferantenabfrage gezielt auf diese Kategorien richten. Wer das tut, deckt in der Regel mit unter zwanzig Lieferanten den überwiegenden Teil von Kategorie 3.1 ab.

Nach unserer Einschätzung ist diese Priorisierung auch der wirksamste Hebel gegen die 95-Prozent-Grenze, sollte sie im überarbeiteten Standard tatsächlich verbindlich werden. Dagegen spricht, dass ausgabenbasierte Screenings Preiseffekte mit Emissionsunterschieden verwechseln — sie taugen zur Priorisierung, nicht zur Erfolgsmessung.

Wir unterstützen bei der Kategorisierung, der Datenerhebung und der Erstellung Ihrer Klimabilanz nach GHG Protocol — einschließlich der Frage, welche Scope-3-Kategorien für Ihr Geschäftsmodell überhaupt relevant sind.

Häufige Fragen zu Scope-3-Emissionen

Was sind Scope-3-Emissionen einfach erklärt?

Scope-3-Emissionen sind Treibhausgasemissionen, die ein Unternehmen nicht selbst verursacht, aber durch sein Wirtschaften auslöst — bei Lieferanten, im Transport, bei Geschäftsreisen und bei der Nutzung der verkauften Produkte. Sie werden in 15 Kategorien erfasst.

Wie hoch ist der Anteil von Scope 3 an den Gesamtemissionen?

Laut BCG und CDP lagen die berichteten Scope-3-Lieferkettenemissionen im Jahr 2023 im Durchschnitt beim 26-Fachen der Emissionen aus Scope 1 und Scope 2. Der tatsächliche Anteil hängt stark von der Branche ab: In Handel und verarbeitender Industrie dominiert Scope 3, bei energieintensiven Produzenten kann Scope 1 überwiegen.

Sind Scope-3-Emissionen berichtspflichtig?

Für Unternehmen im Anwendungsbereich der europäischen Nachhaltigkeitsberichterstattung ja. Die Angabepflicht E1-6 der delegierten Verordnung (EU) 2023/2772 verlangt die Offenlegung der Scope-3-Bruttoemissionen in Tonnen CO₂-Äquivalent.

Ab wann verlangt die SBTi ein Scope-3-Ziel?

Der Corporate Net-Zero Standard V2 verlangt ein Reduktionsziel für jede Scope-3-Kategorie, die für sich genommen 5 Prozent oder mehr der gesamten Scope-3-Emissionen ausmacht, geprüft über die Kategorien 1 bis 14. Die frühere 40-Prozent-Regel aus Version 1 gilt nicht mehr.

Welche Datenqualität ist für Scope 3 nötig?

Für den Einstieg genügen sekundäre Durchschnittsfaktoren, um die dominierenden Kategorien zu identifizieren. Für Reduktionsnachweise reichen sie nicht, weil ausgabenbasierte Faktoren Preisänderungen als Emissionsänderungen abbilden. Dort sind Primärdaten der Lieferanten erforderlich.

Quellen

  1. Greenhouse Gas Protocol: Corporate Value Chain (Scope 3) Accounting and Reporting Standard (2011) — https://ghgprotocol.org/corporate-value-chain-scope-3-standard
  2. Greenhouse Gas Protocol: Scope 3 Standard Revisions — Phase 1 Progress Update (März 2026, Entwurfsstand) — https://ghgprotocol.org/sites/default/files/2026-03/S3-Phase1ProgressUpdate-20260331.pdf
  3. Europäische Kommission: Delegierte Verordnung (EU) 2023/2772, ESRS E1-6 (2023) — https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2023/2772/oj?locale=de
  4. Boston Consulting Group und CDP: Scope 3 Upstream — Big Challenges, Simple Remedies (25.06.2024) — https://www.cdp.net/en/press-releases/corporates-supply-chain-scope-3-emissions-are-26-times-higher-than-their-operational-emissions
Berg im Hintergrund - Symbolbild von Five Glaciers Consulting für Kontaktseite

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Wanderung hoch auf einen Berg - Symbolbild von Five Glaciers Consulting für Kontaktseite

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