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16.7.2026
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Ratings & Zertifizierungen
Governance & Regulatorik
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Stand: Juli 2026
Das EcoVadis Methodik-Update Q2 2026 bringt drei Änderungen mit Release-Daten im Juli 2026: Scope-2-Reduktionsziele müssen künftig getrennt nach Market-based und Location-based ausgewiesen werden, die Select-spezifischen Consultation-Prozesse entfallen und werden durch einen zweitägigen Factual Error Check ersetzt, und die Scorecard erhält im Umweltbereich granularere Improvement Areas. Dieser Beitrag ordnet ein, was sich konkret ändert und was Unternehmen jetzt prüfen sollten.
Grundlage ist die offizielle EcoVadis-Veröffentlichung „Methodology Updates Q2 2026“. Die drei Änderungen wurden mit Release-Daten vom 10. und 15. Juli 2026 publiziert. Der Beitrag setzt die Reihe zum EcoVadis Methodik-Update zum Jahresauftakt 2026 fort.
Das Q2-Update 2026 umfasst drei Änderungen mit Release-Daten vom 10. und 15. Juli 2026: die getrennte Ausweisung von Scope-2-Zielen nach Market-based und Location-based, den Wegfall der Select-spezifischen Consultation-Prozesse zugunsten eines Factual Error Checks sowie zusätzliche Improvement Areas im Umweltbereich. Zwei der drei Änderungen betreffen die methodische Feinjustierung des Fragebogens und der Scorecard, eine betrifft den Ablauf der Bewertung selbst.
Anders als das breite Update zum Jahresauftakt mit zwölf Einzeländerungen ist das Q2-Paket schlank, aber gezielt: Es schärft die Klimadatenerhebung, standardisiert den Bewertungsprozess über alle Abonnementstufen hinweg und macht die Scorecard im Umweltbereich diagnostischer.
Ab dem 10. Juli 2026 müssen Unternehmen im EcoVadis-Fragebogen angeben, nach welcher Methodik ein absolutes Scope-2-Reduktionsziel berechnet wurde – Market-based oder Location-based. Die bisherige Sammeloption bleibt bestehen, wird aber um eine verpflichtende Methodenauswahl ergänzt. Die Änderung betrifft Sustainability Rating und Carbon Rating und gilt für die Größenklassen S, M und L (26–49.999 Beschäftigte) sowie L (ab 50.000 Beschäftigte).
Hintergrund ist die Angleichung an das Greenhouse Gas Protocol Corporate Standard, das seit Jahren zwischen der standortbasierten (Location-based, physischer Netzmix) und der marktbasierten Methodik (Market-based, vertragliche Strombeschaffung) unterscheidet. Location-based bildet den durchschnittlichen Emissionsfaktor des Stromnetzes ab; Market-based spiegelt die konkrete Beschaffung wider, etwa über Herkunftsnachweise oder Power Purchase Agreements. EcoVadis begründet den Schritt mit der gestiegenen Reife der bewerteten Unternehmen: nach fünf Jahren Carbon Rating und mehr als 100.000 ausgestellten Carbon Scorecards trägt die Datenbasis diese zusätzliche Granularität. Die Änderung schließt direkt an das vorangegangene Scope-2-Update vom 7. Mai 2026 an und hält die Datenerhebung dazu konsistent.
Wichtig für die Praxis: Auf Score, Strengths und Improvement Areas hat die Umstellung laut EcoVadis keinen direkten Einfluss. Es geht um die Qualität und Vergleichbarkeit der erhobenen Zieldaten, nicht um eine neue Bewertungslogik. Wer eine belastbare Klimazielsetzung betreibt, kennt die Unterscheidung bereits aus SBTi- und CSRD-Kontexten.
AspektVorherige FragebogenstrukturAktualisierte FragebogenstrukturZieloption„We have an absolute scope 2 reduction target“„We have an absolute scope 2 reduction target“ (unverändert verfügbar)Methodenangabekeine DifferenzierungPflichtauswahl: Market-based oder Location-basedBezugundifferenziertes Scope-2-ZielAusrichtung am GHG Protocol Corporate StandardScore-Wirkung–keine Änderung an Score, Strengths oder Improvement Areas
Für wen ist das relevant? Für alle Unternehmen mit einem absoluten Scope-2-Reduktionsziel, insbesondere solche mit aktiver Strombeschaffungsstrategie (Grünstromverträge, PPAs, Herkunftsnachweise).
Was ist das Ziel? Interoperabilität mit international anerkannten Klimazielstandards und ein präziseres Bild der tatsächlichen Dekarbonisierungsanstrengungen.
Was Unternehmen jetzt tun sollten: Prüfen, nach welcher Methodik das eigene Scope-2-Ziel formuliert ist, und sicherstellen, dass Market-based- und Location-based-Werte konsistent dokumentiert sind – idealerweise anschlussfähig an die bestehende Klimabilanz.
Zum 15. Juli 2026 stellt EcoVadis den Select Check Up und die Select Score Drop Consultation ein. Beide Prozesse waren bislang Select-Abonnements vorbehalten und gaben Unternehmen in bestimmten Fällen die Möglichkeit, während der Analysephase nachzusteuern. Die Score-Drop-Ansprache für Unternehmen mit mehr als 50.000 Beschäftigten bleibt dagegen unabhängig vom Abonnement erhalten.
An deren Stelle führt EcoVadis ein einheitliches Verfahren für alle Abonnementstufen ein: den Factual Error Check. Dabei ist die fertige Scorecard zwei Arbeitstage vor der Veröffentlichung im Netzwerk ausschließlich für das bewertete Unternehmen sichtbar. In diesem Zeitfenster kann das Unternehmen die Bewertung prüfen und sachliche Fehler melden – aber nicht mehr wie bisher Dokumente oder Nachweise nachreichen.
Konkret werden Select-Unternehmen künftig nicht mehr konsultiert, wenn Dokumente nicht im richtigen Format vorliegen, wenn Zertifikate deklariert, aber nicht mit Nachweisen belegt sind, oder wenn der Score gegenüber der Vorbewertung deutlich fällt (bei Unternehmen unter 50.000 Beschäftigten). EcoVadis begründet den Schritt mit der Integrität und Vergleichbarkeit der Ratings über alle Abonnementstufen hinweg.
Für wen ist das relevant? Für alle Select-Kunden und grundsätzlich für jedes Unternehmen, das bisher auf Nachsteuerungsmöglichkeiten während der Analysephase gesetzt hat.
Was ist das Ziel? Ein konsistenter, unabhängiger Bewertungsablauf ohne subskriptionsabhängige Sonderwege.
Was Unternehmen jetzt tun sollten: Die Nachweisqualität vor der Einreichung sicherstellen statt auf eine spätere Konsultation zu bauen: Dokumentenformate prüfen, deklarierte Zertifikate lückenlos belegen und den zweitägigen Factual Error Check organisatorisch einplanen, damit die Prüfung im engen Zeitfenster gelingt.
Ebenfalls zum 15. Juli 2026 ergänzt EcoVadis die Scorecard um spezifischere Improvement Areas im Thema Environment. Betroffen sind die Kriterien Wasser, Biodiversität und Luftverschmutzung, die Größenklassen S, M und L (26–49.999 Beschäftigte) sowie L (ab 50.000 Beschäftigte). Es handelt sich um die dritte Charge eines laufenden Transparenz-Updates.
Die Scorecard bewegt sich damit weiter weg von allgemeinen Hinweisen hin zu diagnostischem, sektorspezifischem Feedback. Die neuen Improvement Areas verweisen direkt auf etablierte Sector Best Practices, die bereits im Fragebogen enthalten sind. Wird eine solche Praxis in der Analyse nicht als vorhanden erkannt, erscheint sie explizit als Improvement Area auf der Scorecard. Wichtig: Diese Punkte sind Beispiele für mögliche Maßnahmen aus dem Fragebogen, keine verpflichtende Anforderungsliste.
Für Unternehmen erhöht das die Nachvollziehbarkeit: Statt eines pauschalen Hinweises zeigt die Scorecard genauer, welche konkrete Praxis fehlt, um die nächste Scoring-Stufe zu erreichen. Gleichzeitig lassen sich Evidenzlücken schwerer verdecken.
Für wen ist das relevant? Für alle Unternehmen der genannten Größenklassen mit Umwelt-relevantem Geschäftsmodell, insbesondere wasser-, flächen- oder emissionsintensive Betriebe.
Was ist das Ziel? Mehr Transparenz und Klarheit über die konkreten Maßnahmen, die eine bessere Umweltbewertung stützen.
Was Unternehmen jetzt tun sollten: Neue Improvement Areas als konkrete Maßnahmen-Landkarte lesen und die Fragebogenantworten zu Wasser, Biodiversität und Luftverschmutzung mit belastbaren Nachweisen hinterlegen.
Das Q2-Update verlangt in Summe eine höhere Datendisziplin. Alle drei Änderungen verschieben den Erfolgsfaktor weg von formaler Vollständigkeit hin zu präziser, methodisch sauberer Evidenz: bei Scope 2 über die korrekte Methodenkennzeichnung, beim Bewertungsprozess über die Nachweisqualität vor Einreichung und bei den Improvement Areas über die konkrete Belegbarkeit einzelner Best Practices.
Am deutlichsten wirkt der Wegfall der Select-Consultations. Wer bislang darauf gesetzt hat, während der Analyse nachzuliefern, verliert diesen Puffer. Der neue Factual Error Check korrigiert nur noch sachliche Fehler in der fertigen Bewertung, keine fehlenden oder unpassenden Nachweise. Damit entscheidet sich die Bewertung faktisch bei der Einreichung – nicht mehr danach. Für die Vorbereitung auf das EcoVadis-Rating heißt das: sauber dokumentierte Evidenz von Anfang an, statt Korrekturschleifen im Prozess.
Aus Beratungssicht: Die unscheinbarste Änderung hat die größte Wirkung. Das Ende der Select-Consultations klingt prozessual, verändert aber die Spielregeln: Der bisherige „zweite Blick“ während der Analyse fällt weg, und der Factual Error Check ist kein Ersatz dafür – er fängt nur offensichtliche Fehler in der fertigen Scorecard ab, nicht schwache oder falsch zugeordnete Nachweise. Unternehmen, die ihre Einreichung bisher iterativ optimiert haben, müssen ihre Vorbereitung nach vorne verlagern.
Die Scope-2-Änderung ist dagegen weniger dramatisch, als sie wirkt. Wer ein Ziel nach GHG Protocol gesetzt hat, kennt die Unterscheidung zwischen Market-based und Location-based und muss sie nur noch korrekt im Fragebogen abbilden. Kritisch wird es dort, wo Ziele historisch ohne klare Methodik gesetzt wurden – dann steht vor der Fragebogenpflege die inhaltliche Klärung.
Unsere Empfehlung: die eigene Scope-2-Zielmethodik jetzt eindeutig festlegen und dokumentieren, die Nachweisstrategie für die nächste Bewertung auf „vollständig bei Einreichung“ umstellen und die neuen Umwelt-Improvement-Areas als Prioritätenliste für die Datenaufbereitung nutzen.
Das EcoVadis-Update Q2 2026 ist kompakt, aber richtungsweisend: EcoVadis erhöht die methodische Präzision und reduziert zugleich die Möglichkeiten, während der Bewertung nachzubessern. Für Unternehmen verschiebt sich der Hebel klar auf die Vorbereitung – belastbare Scope-2-Zieldaten, vollständige Nachweise vor Einreichung und eine gezielte Bearbeitung der neuen Umwelt-Improvement-Areas. Wer diese drei Punkte vor der nächsten Bewertung sauber aufsetzt, verliert durch den Wegfall der Consultations nichts und profitiert von der höheren Transparenz der Scorecard.
Ob erste Einordnung, Scope-2-Zielmethodik oder umfassende Unterstützung bei der Nachweisstrategie: Unser Experten-Team hilft Ihnen gerne weiter. Kontaktieren Sie uns →

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