DATUM
26.3.2026
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THEMEN
Governance & Regulatorik
Ratings & Zertifizierungen
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EcoVadis gehört inzwischen zu den wichtigsten externen Nachhaltigkeitsbewertungen im B2B-Umfeld. Für viele Unternehmen ist das Rating längst nicht mehr nur ein „Nice to have“, sondern ein konkreter Faktor in Kundenbeziehungen, Ausschreibungen und Lieferkettenanforderungen. Genau deshalb lohnt es sich, die quartalsweisen Methodik-Updates nicht nur oberflächlich zu lesen, sondern strategisch einzuordnen. EcoVadis selbst bündelt diese Änderungen, um die Methodik transparenter zu machen und sie an neue regulatorische, marktseitige und praktische Anforderungen anzupassen.
Die offizielle Veröffentlichung trägt den Titel „Methodology Updates Q4 2025“, wurde aber zuletzt Anfang März 2026 aktualisiert und enthält mehrere Änderungen mit Release-Daten im Januar 2026. Für die Kommunikation auf eurer Website kann man deshalb sinnvoll vom EcoVadis Methodik-Update 2026 oder vom Update zum Jahresauftakt 2026 sprechen, sollte aber die offizielle Bezeichnung im Text mitführen. Inhaltlich zeigt das Update einen klaren Trend: weg von generischen Aussagen, hin zu präziserer Evidenz, granulareren Scorecards und stärkerer Sichtbarkeit tatsächlicher Umsetzung.
EcoVadis hat das Kriterium „Child Labor, Forced Labor & Human Trafficking“ überarbeitet, um es stärker an die Corporate Sustainability Due Diligence Directive (CS3D) anzulehnen. Neu ist insbesondere eine zusätzliche Selbstdeklarationsfrage dazu, ob ein Unternehmen junge Beschäftigte unter 18 Jahren einsetzt, obwohl diese bereits im rechtlich zulässigen Arbeitsalter sind. Wenn ein Unternehmen hier mit „Ja“ oder „Ich weiß es nicht“ antwortet, folgt eine detailliertere Abfrage zu Schutzmaßnahmen, etwa zum physischen und psychischen Schutz, zu Einschränkungen bei Nachtarbeit und Arbeitszeiten oder zur Zustimmung von Erziehungsberechtigten. Zusätzlich wurde für mittlere und große Unternehmen eine neue Maßnahme aufgenommen: Due Diligence bei Recruitment Agencies, um ethische Rekrutierungspraktiken sicherzustellen.
Diese Anpassung ist inhaltlich relevant, weil EcoVadis damit nicht mehr nur das Vorhandensein generischer menschenrechtlicher Aussagen abfragt, sondern konkreter auf Risikokonstellationen und Schutzlogiken eingeht. Das passt auch zur Stoßrichtung der CS3D, die stärker auf systematische Sorgfaltspflichten in Wertschöpfungsketten und arbeitsbezogenen Risikokontexten ausgerichtet ist. Für Unternehmen bedeutet das: Wer in arbeitsintensiven Strukturen, internationalen Rekrutierungsmodellen oder an Standorten mit jüngeren Beschäftigtengruppen tätig ist, sollte seine Richtlinien und Nachweise daraufhin prüfen, ob sie diese zusätzliche Differenzierung bereits abbilden.
Für wen ist das relevant?
Vor allem für produzierende Unternehmen, arbeitsintensive Dienstleistungsmodelle, internationale Gruppen sowie Unternehmen mit Rekrutierung über Agenturen oder Drittanbieter.
Was ist das Ziel?
EcoVadis will menschenrechtliche Risiken im Fragebogen präziser sichtbar machen und die Bewertung stärker auf vorbeugende Schutzmechanismen ausrichten.
Was Unternehmen jetzt tun sollten:
Prüfen, ob Schutzmaßnahmen für junge Beschäftigte dokumentiert sind und ob bei Recruitment Agencies bereits eine belastbare Due-Diligence-Logik existiert.
Im Bereich 360 Watch Findings führt EcoVadis einen neuen mitigierenden beziehungsweise verschärfenden Faktor ein: den Stakeholder Consensus. Damit wird künftig systematischer berücksichtigt, wie eindeutig relevante und vertrauenswürdige Stakeholder die negative Natur eines Vorfalls oder einer Kontroverse einschätzen. Je höher diese Übereinstimmung ist, desto strenger kann die Schwere eines 360-News-Items bewertet werden. EcoVadis will damit vor allem Fälle besser abbilden, in denen potenzielle negative Auswirkungen noch nicht vollständig materialisiert oder abschließend geklärt sind.
Methodisch ist das ein wichtiger Schritt. Bislang war 360 Watch bereits risikobasiert, aber diese Ergänzung macht deutlicher, dass nicht nur der Vorfall an sich zählt, sondern auch die Qualität und Konvergenz externer Wahrnehmung. Das kann in Grenzfällen zu einer ausgewogeneren Bewertung führen: Einerseits sollen Unternehmen bei unklarer Evidenz nicht übermäßig sanktioniert werden, andererseits sollen potenzielle negative Auswirkungen auch nicht ignoriert werden. Für Unternehmen mit erhöhter öffentlicher Sichtbarkeit, NGO-Exposure oder sensiblen Lieferketten wird externe Stakeholder-Wahrnehmung dadurch noch wichtiger.
Für wen ist das relevant?
Vor allem für Unternehmen mit erhöhter öffentlicher Sichtbarkeit, internationalem Footprint oder erhöhter NGO-, Medien- oder Community-Aufmerksamkeit.
Was ist das Ziel?
EcoVadis will Kontroversen präziser bewerten, wenn sich die Evidenzlage noch im Spannungsfeld zwischen potenziell und tatsächlich negativem Impact bewegt.
Was Unternehmen jetzt tun sollten:
Nicht nur interne Incident-Logiken prüfen, sondern auch beobachten, wie externe Stakeholder Themen rahmen und bewerten.
EcoVadis setzt Ratings und Re-Assessments für Unternehmen mit Hauptsitz in Afghanistan, Demokratische Republik Kongo, Myanmar, South Sudan, Sudan und Yemen aus. Begründet wird das damit, dass die bestehende Methodik nicht darauf ausgelegt ist, die von der OECD empfohlene verschärfte Due Diligence für extreme Konflikt- und Fragilitätskontexte angemessen abzubilden. Unternehmen mit Aktivitäten in diesen Ländern, aber Hauptsitz außerhalb dieser Staaten, sind davon ausdrücklich nicht direkt betroffen.
Diese Änderung ist bemerkenswert, weil EcoVadis hier die methodischen Grenzen eines standardisierten ESG-Ratings offen anerkennt. Gerade in hochgradig konfliktbetroffenen Kontexten reicht ein übliches Bewertungsmodell oft nicht aus, um Menschenrechts- und Komplizitätsrisiken ausreichend abzubilden. Für Unternehmen mit komplexen internationalen Strukturen ist das ein Hinweis darauf, dass Headquarter-Struktur, Bewertungsumfang und geopolitischer Kontext künftig noch relevanter werden können. Gleichzeitig zeigt die Änderung, dass EcoVadis Konfliktrisiken nicht nur abstrakt über Country Risk steuern will, sondern in Extremfällen auch über Ausschlusslogiken.
Für wen ist das relevant?
Für internationale Gruppen, Unternehmen mit Sitzstrukturen in fragilen Regionen und Organisationen mit operativer Präsenz in Konfliktkontexten.
Was ist das Ziel?
Sicherstellen, dass EcoVadis keine methodische Scheinsicherheit in Kontexten erzeugt, die eigentlich eine verschärfte Due Diligence erfordern.
Was Unternehmen jetzt tun sollten:
Prüfen, ob Sitz- und Bewertungsstruktur sauber dokumentiert sind und ob Aktivitäten in Konfliktregionen intern gesondert adressiert werden.
EcoVadis erweitert die verfügbaren Branchenklassifikationen um ISIC 4773 – Other retail sale of new goods in specialized stores. Unternehmen aus dieser Kategorie können im Qualifikationsprozess künftig einen präziseren Branchencode auswählen und erhalten dadurch einen passenderen Fragebogen. Die bisherigen ISIC-Klassifikationen bleiben von der Erweiterung unberührt.
Auf den ersten Blick wirkt das wie ein kleiner technischer Schritt, tatsächlich ist er aber relevant für die Materialitätslogik im Rating. Eine präzisere Branchenzuordnung hilft EcoVadis, Fragen, Risiken und Improvement Areas stärker auf das tatsächliche Geschäftsmodell zuzuschneiden. Für betroffene Handelsunternehmen kann das die Bewertung fairer und relevanter machen. Grundsätzlich ist das auch eine Erinnerung daran, dass Unternehmen ihre ISIC- und Branchenzuordnung nicht nur einmalig anlegen, sondern regelmäßig hinterfragen sollten.
Für wen ist das relevant?
Für Handelsunternehmen im betroffenen Segment und grundsätzlich für alle Unternehmen, deren ISIC-Zuordnung grenzwertig oder historisch gewachsen ist.
Was ist das Ziel?
Mehr Relevanz und Materialitätsnähe im Fragebogen.
Was Unternehmen jetzt tun sollten:
Die eigene Branchenklassifikation im EcoVadis-Profil prüfen und bei Bedarf aktualisieren oder plausibilisieren.
Eine der spannendsten Entwicklungen betrifft die Integration von Worker Voice Survey und Worker Voice Connect in die EcoVadis-Methodik. Unternehmen, die diese Lösungen einsetzen, können künftig zusätzliche scorecard-relevante Informationen erhalten. Beim Worker Voice Survey kann ein nicht gescortes Tag „Confirmed by Worker Voice Survey“ erscheinen, wenn Beschäftigte die tatsächliche Umsetzung bestimmter Maßnahmen bestätigen. Dazu gehören unter anderem Notfallpläne für Gesundheit und Sicherheit, Überstundenmanagement, angemessene Löhne, Arbeitnehmervertretung, Altersverifikation vor Einstellung oder Beschwerdemechanismen zu verschiedenen menschenrechtlichen Themen. Außerdem kann die Nutzung des Worker Voice Survey auch als Evidenz für die Maßnahme „Third-party worker voice survey“ im Working-Conditions-Kriterium dienen.
Zusätzlich wird Worker Voice Connect in die Methodik eingebunden. Auf Basis des Beschwerdemanagements können ungescorte Strengths oder Improvement Areas entstehen. Eine Stärke kann etwa vergeben werden, wenn ein Unternehmen 50 % oder mehr der remediable grievances bearbeitet. Umgekehrt kann eine Improvement Area entstehen, wenn an mindestens einem relevanten Standort keine remediable grievances vorliegen, was auf Umsetzungsprobleme oder Hemmnisse für Beschäftigte hindeuten kann. Das ist strategisch bedeutsam, weil EcoVadis sich damit stärker von einer rein dokumentbasierten Logik entfernt und die Beschäftigtenperspektive als Realitätscheck aufwertet. Für Unternehmen mit reiferen Sozial- und Beschwerdesystemen kann das ein Differenzierungsmerkmal werden.
Für wen ist das relevant?
Für Unternehmen mit arbeitsintensiven Standorten, komplexen Lieferketten, menschenrechtsbezogenen Risiken oder bereits bestehenden Worker-Voice-Tools.
Was ist das Ziel?
Mehr Transparenz darüber schaffen, ob Maßnahmen nicht nur auf dem Papier stehen, sondern von Beschäftigten auch tatsächlich erlebt werden.
Was Unternehmen jetzt tun sollten:
Prüfen, ob Beschwerdemechanismen wirklich genutzt, dokumentiert und ausgewertet werden und ob Worker-Voice-Ansätze strategisch sinnvoll sind.
EcoVadis überarbeitet den Questionnaire Help Content weiter. Im aktuellen Update liegt der Fokus insbesondere auf den Fragebögen für sehr kleine Unternehmen über alle Themen hinweg sowie bei kleinen, mittleren und großen Unternehmen auf Umweltkriterien wie Energy Consumption & GHGs, Water und Air Pollution. Die Hilfetexte enthalten jetzt konkretere Beispiele, welche Dokumente hochgeladen werden sollten und was diese belegen müssen. Genannt werden etwa Nachweise zur Wasserwiederverwendung oder operative Dokumente zur Vermeidung von Verkehrsstaus rund um Standorte.
Das klingt operativ, ist aber in der Praxis hochrelevant. Viele Scoreverluste entstehen nicht, weil eine Maßnahme fehlt, sondern weil der hochgeladene Nachweis nicht präzise genug zum Antwortfeld passt. Wenn EcoVadis den Help Content konkretisiert, steigt auch die Erwartung, dass Unternehmen diese Guidance aktiv nutzen. Der Help Content wird damit noch stärker zur eigentlichen Spezifikation für eine gute Nachweisstrategie. Unternehmen sollten diese Texte deshalb nicht als Nebeninformation behandeln, sondern als Arbeitshilfe für die Auswahl und Aufbereitung ihrer Evidenz.
Für wen ist das relevant?
Für praktisch alle bewerteten Unternehmen, besonders aber für Teams mit wenig EcoVadis-Erfahrung oder knappen internen Ressourcen.
Was ist das Ziel?
Fehluploads, Missverständnisse und schwache Evidenz reduzieren.
Was Unternehmen jetzt tun sollten:
Die Help-Content-Texte systematisch lesen, bevor Dokumente ausgewählt und hochgeladen werden.
EcoVadis standardisiert die Formulierungen vieler Improvement Areas im Carbon- und teilweise auch im Sustainability-Kontext. Statt eher handlungsorientierter oder normativer Hinweise wird jetzt stärker auf fehlende Evidenz abgestellt. Beispiele aus dem Update sind Formulierungen wie „No supporting evidence on absolute Scope 3 emissions reduction targets“ oder „No supporting evidence of an annual update of the GHG inventory“.
Das verändert die Logik der Scorecard spürbar. Die Hinweise werden diagnostischer und damit nützlicher: Unternehmen sehen klarer, ob ihnen tatsächlich eine Maßnahme fehlt oder ob vor allem der Nachweis dafür nicht ausreicht. Gleichzeitig verschwinden einige weichere, empfehlungsartige Formulierungen, die in der Praxis oft Interpretationsspielraum ließen. Für Unternehmen ist das positiv, weil die Scorecard dadurch präziser wird. Es bedeutet aber auch, dass Lücken in der Evidenz künftig schwerer zu kaschieren sind.
Für wen ist das relevant?
Für alle Unternehmen, die Scorecards aktiv für Verbesserungsarbeit nutzen.
Was ist das Ziel?
Mehr Lesbarkeit, mehr Vergleichbarkeit und klarere Rückschlüsse auf die eigentliche Bewertungslogik.
Was Unternehmen jetzt tun sollten:
Improvement Areas künftig stärker als Evidenzdiagnose lesen und nicht nur als allgemeine To-do-Liste.
Zum 21. Januar 2026 führt EcoVadis zusätzliche Granularität in Scorecards ein. Improvement Areas werden spezifischer auf fehlende Sector Best Practices und auf die Qualität von Policies bezogen. Im Umweltbereich betrifft das etwa Energy Consumption & GHGs sowie Materials, Chemicals and Waste; im Bereich Labor & Human Rights gilt diese Logik über alle Kriterien hinweg. Gleichzeitig werden Qualitätsfaktoren robuster Policies sichtbarer gemacht, etwa ob der Geltungsbereich definiert ist, Verantwortlichkeiten benannt wurden oder formale Review-Mechanismen existieren.
Das ist einer der stärksten Reifeschritte im Update. EcoVadis bewertet damit noch deutlicher nicht nur, ob eine Policy existiert, sondern wie belastbar sie ist. Für Unternehmen bedeutet das, dass ESG-Dokumente künftig stärker wie echte Steuerungsdokumente aufgebaut sein sollten und weniger wie allgemeine Absichtserklärungen. Wer Policies ohne Scope, Governance-Logik oder Aktualisierungsmechanismen nutzt, wird mit dieser Art von Granularität künftig eher Schwächen sichtbar machen als Stärken.
Für wen ist das relevant?
Für Unternehmen mit bereits vorhandenen ESG-Policies, die ihre Scorecard gezielt weiterentwickeln wollen.
Was ist das Ziel?
Mehr Transparenz über die Robustheit von Policies und über tatsächlich fehlende Best Practices.
Was Unternehmen jetzt tun sollten:
Policies gegen Mindestqualitätsmerkmale prüfen: Scope, Verantwortlichkeiten, Review-Prozess, Operationalisierung.
Auch die Audit-Frage GEN5004 wurde geschärft. EcoVadis stellt klar, dass nur Audits durch unabhängige, akkreditierte Auditoren mit ausreichendem Nachhaltigkeitsbezug unter dieser Frage akzeptiert werden. Berichte müssen vollständig sein, also etwa Deckblatt und Übersichtstabellen enthalten, und dürfen nicht nur Einzeldimensionen wie Maschinensicherheit oder Cybersicherheit abdecken. Außerdem werden ISO-Managementsystem-Zertifikate wie ISO 14001, ISO 45001 oder ISO 27001 ausdrücklich als nicht valide für diese konkrete Frage eingeordnet. Zugelassen sind dagegen vollständige Berichte in Formaten wie PDF, Excel, PowerPoint oder Word.
Das ist für viele Unternehmen eine sehr praktische, aber auch wichtige Klarstellung. Gerade bei GEN5004 wurden in der Vergangenheit häufig Dokumente hochgeladen, die zwar auditnah wirken, aber methodisch nicht das sind, was EcoVadis unter einem belastbaren Nachhaltigkeitsaudit versteht. Die Änderung reduziert Missverständnisse, erhöht aber auch die Anforderungen an die Dokumentenauswahl. Unternehmen sollten intern sauber trennen zwischen Zertifikaten, Managementsystem-Audits und tatsächlichen Sustainability-Auditberichten. Genau diese Trennschärfe wird mit der neuen Formulierung zentral.
Für wen ist das relevant?
Für alle Unternehmen, die externe Audits als Teil ihrer EcoVadis-Nachweise nutzen.
Was ist das Ziel?
Mehr Datenqualität und weniger Fehluploads bei auditbezogenen Fragen.
Was Unternehmen jetzt tun sollten:
GEN5004-Dokumente vor Upload kritisch prüfen: Vollständigkeit, Auditor, Nachhaltigkeitsbezug, Scope über mehrere Kriterien.
EcoVadis erweitert das Working Conditions-Kriterium im Themenfeld Labor & Human Rights um Employee Turnover. Damit können nun Policies oder Reporting-Nachweise zur Mitarbeiterfluktuation als valider Teil dieses Themenfelds anerkannt werden. EcoVadis begründet das damit, dass Mitarbeiterbindung eng mit Arbeitszufriedenheit, Kultur und der Qualität von Arbeitsbedingungen zusammenhängt.
Das ist inhaltlich stimmig und zugleich strategisch interessant. Fluktuation war in vielen ESG-Systemen bislang eher eine klassische HR-Kennzahl als ein expliziter Nachhaltigkeitsindikator. EcoVadis erkennt jetzt deutlicher an, dass Retention und stabile Arbeitsbedingungen auch als ESG-relevante Steuerungsgrößen verstanden werden sollten. Unternehmen, die Turnover bereits messen und analysieren, haben hier einen Vorteil. Wer dies noch nicht systematisch tut, bekommt einen weiteren Anreiz, HR- und Nachhaltigkeitslogik enger zu verzahnen.
Für wen ist das relevant?
Für praktisch alle Unternehmen, besonders aber für personalintensive Organisationen oder solche mit erhöhter Fluktuation.
Was ist das Ziel?
Working Conditions nicht nur über Policies, sondern auch über reale workforce-bezogene Kennzahlen besser abzubilden.
Was Unternehmen jetzt tun sollten:
Prüfen, ob Fluktuationsdaten vorhanden, belastbar und für EcoVadis sinnvoll dokumentierbar sind.
EcoVadis hat Ende Januar 2026 das turnusmäßige Country Risk Update 2026 veröffentlicht. Dabei ändern sich die Risikostufen für vier Länder: Kosovo steigt von Medium auf High Risk, Paraguay sinkt von High auf Medium Risk, Seychelles steigen von Low auf Medium Risk und Timor-Leste sinkt von High auf Medium Risk. Als Treiber nennt EcoVadis unter anderem Korrekturen interner Datenintegration sowie Veränderungen bei Carbon-, Air-Pollution-, Health- und Social-Risiken.
Country-Risk-Updates wirken oft technisch, sollten aber nicht unterschätzt werden. EcoVadis gewichtet seine Methodik unter anderem nach Größe, Branche und Länderprofil. Änderungen auf Länderebene können deshalb Einfluss auf die Hintergrundlogik der Bewertung haben, vor allem bei international aufgestellten Unternehmen oder Gruppen mit standortbezogener ESG-Datenerhebung. Gerade im Einkauf, in multinationalen Gruppen oder in Lieferketten mit Exposure in den genannten Ländern lohnt es sich, diese Änderungen im Blick zu behalten.
Für wen ist das relevant?
Für internationale Unternehmen, globale Lieferketten, Gruppenstrukturen und Organisationen mit standortbezogenem ESG-Exposure.
Was ist das Ziel?
Eine aktuellere und kontextnähere Risikobewertung auf Basis der EcoVadis-Country-Risk-Logik.
Was Unternehmen jetzt tun sollten:
Länderprofile in der eigenen Wertschöpfungskette prüfen und potenzielle Auswirkungen auf interne Risikobewertungen mitdenken.
Im Environment-Thema ergänzt EcoVadis eine neue evidenzbasierte Frage zu Climate Physical Risks. Unternehmen der Größenklassen S, M und L werden nun gefragt, welche Maßnahmen sie umgesetzt haben, um physische Klimarisiken zu adressieren. Antwortoptionen sind unter anderem eine Climate Change Physical Risk and Impact Assessment sowie ein Climate Change Recovery and Adaptation Plan. Die Frage selbst beeinflusst den Score laut EcoVadis nicht direkt, kann aber über die eingereichte Evidenz zu Strengths oder Improvement Areas auf der Scorecard führen.
Diese Änderung ist deshalb relevant, weil EcoVadis seinen Klimablick damit erweitert. Bisher standen vielfach Emissionen, Energie und Klimaziele im Vordergrund. Jetzt wird deutlicher abgefragt, wie Unternehmen mit Hitze, Überschwemmungen, Waldbrandrisiken, Meeresspiegelanstieg oder anderen physischen Klimafolgen umgehen. Für standortintensive oder logistiknahe Geschäftsmodelle ist das besonders relevant. Wer bereits physische Klimarisikoanalysen oder Anpassungspläne im Rahmen von TCFD, ESRS oder allgemeinem Risikomanagement aufgebaut hat, sollte prüfen, wie diese für EcoVadis anschlussfähig dokumentiert werden können.
Für wen ist das relevant?
Für produzierende Unternehmen, standortintensive Geschäftsmodelle, Logistik, Infrastruktur und globale Lieferketten.
Was ist das Ziel?
Mehr Sichtbarkeit für organisatorische Resilienz gegenüber physischen Klimafolgen.
Was Unternehmen jetzt tun sollten:
Vorhandene Klimarisikoanalysen und Anpassungspläne auf Dokumentierbarkeit und Evidenzqualität prüfen.
Das Update zum Jahresauftakt 2026 zeigt klar, wohin sich die EcoVadis-Methodik entwickelt: weg von pauschalen Managementaussagen und hin zu konkret nachweisbarer Umsetzung, höherer Granularität und stärkerer Risikoorientierung. Besonders sichtbar wird das bei Worker Voice, bei den präziseren Improvement Areas, bei den strengeren Audit-Anforderungen und bei der neuen Klima-Resilienzfrage. Gleichzeitig stärkt EcoVadis Themen wie Menschenrechte und Country Risk dort, wo Standardbewertungen an Grenzen stoßen oder zusätzliche Schärfe brauchen.
Für Unternehmen bedeutet das: Gute EcoVadis-Performance entsteht immer weniger durch „richtige Worte“ und immer mehr durch passende Evidenz, belastbare Prozesse und klar dokumentierte Steuerungslogik. Wer sein Rating verbessern will, sollte diese Änderungen nicht isoliert betrachten, sondern als Anstoß, die eigene ESG-Dokumentation, Policy-Qualität und Nachweisstrategie insgesamt zu überprüfen.

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