DATUM
5.1.2026
AUTOREN
THEMEN
Ratings & Zertifizierungen
Best Practices
SHARE

DATUM
5.1.2026
AUTOREN
THEMEN
Ratings & Zertifizierungen
Best Practices
SHARE
Am 30. Dezember 2025 veröffentlichte EcoVadis die neuesten „Methodology Updates Q4/2025“ – ein Set von Anpassungen, das die Grundlage der Bewertungspraxis weiter professionalisiert. EcoVadis Ratings dienen weltweit als objektive, vergleichbare Messlatte für Nachhaltigkeitsleistungen von Unternehmen unterschiedlicher Größe und Branchen. Ein tieferes Verständnis der Methodik‑Änderungen hilft Unternehmen, ihre ESG‑Leistung strategisch auszurichten und gezielt in ihren Scorecards zu punkten.
EcoVadis selbst betont, dass diese Updates nicht nur punktuelle Modifikationen sind, sondern auf Feedback aus der Praxis, regulatorischen Anforderungen in der EU (z. B. CSRD/CS3D) und dem wachsenden Anspruch an transparente Nachhaltigkeitsdaten reagieren. Unternehmen, die diese Entwicklungen gezielt in ihre Nachhaltigkeitsstrategie integrieren, erhöhen ihre Chancen auf eine starke Bewertung und eine robuste ESG‑Positionierung.
Das letzte Updatedes Kalenderjahres macht die EcoVadis-Methodik robuster und aussagekräftiger. Die folgenden Anpassungen helfen Unternehmen, sowohl regulatorische Anforderungen als auch Stakeholder‑Erwartungen besser abzubilden:
EcoVadis passt die Logik zur Bewertung von Konglomeraten an. Ein Unternehmen darf künftig nur dann auf Gruppenebene bewertet werden, wenn eine einzelne Unternehmenssparte mehr als 51 % des Umsatzes erwirtschaftet. Diese Senkung der bisherigen 60 %-Schwelle bringt die EcoVadis Klassifikation in Einklang mit internationalen Branchendatenbanken wie Bloomberg oder NAICS.
Damit wird Klarheit geschaffen: Große, diversifizierte Unternehmensgruppen verlieren künftig die Möglichkeit auf eine pauschale Gruppenbewertung, wenn ihre Struktur heterogen ist. Insbesondere große Konzerne sollten daher prüfen, wie ihre Segment‑ und Umsatzstruktur in die EcoVadis Assessment Logic passt und welche Implikationen dies für die Auswahl des Bewertungsumfangs (Gruppe vs. Division/Einheit) hat.
Das Update Q4/2025 baut die Integration des EFRAG VSME Standards im EcoVadis Rating weiter aus. Der VSME (Voluntary Sustainability Reporting Standard for non‑listed SMEs) ist ein freiwilliger europäischer Berichtstandard für kleinere Unternehmen, der von der EU‑Kommission ausdrücklich empfohlen wird, um harmonisierte ESG‑Informationen im Lieferketten‑ und Finanzkontext zu erzeugen.
Wichtig: EcoVadis unterscheidet nun zwei spezifische Stärken für VSME‑Berichte:
Der Standard umfasst ungefähr 140 Datenpunkte, die in ein Basic Module (z. B. 11 Kernoffenlegungen) und ein Comprehensive Module gegliedert sind, das weitergehende Informationen berücksichtigt.
Kontext zur EU‑Entwicklung: Im Sommer 2025 hat die EU‑Kommission den VSME‑Standard offiziell empfohlen, und zwar nicht nur als Minimal‑Standard, sondern als Referenz für Nachhaltigkeitsdaten, die von Banken, Investoren oder großen Unternehmen von KMU angefragt werden sollten. Das bedeutet: Trotz fehlender CSRD‑Pflicht könnten VSME‑Reports zunehmend zu einem «de‑facto‑Standard» für Lieferketten‑Reporting werden, insbesondere dort, wo große Kunden oder Finanzpartner ESG‑Daten brauchen.
Empfehlung für Unternehmen:
Der Child Labor, Forced Labor & Human Trafficking Indikator wurde im Kontext der EU‑Corporate Sustainability Due Diligence Directive (CS3D) überarbeitet. EcoVadis fügt neue granularere Fragemöglichkeiten ein – z. B. zu Schutzmaßnahmen für junge Beschäftigte (unter 18 Jahren) und zur Due Diligence von Rekrutierungsagenturen bei mittleren und großen Unternehmen.
Damit schließt EcoVadis eine Lücke zwischen regulatorischen Erwartungen und Rating‑Abdeckung: Unternehmen können nun ihre Präventions‑ und Schutzmaßnahmen detaillierter darstellen, was nicht nur zu höheren Scores führt, sondern auch echte Risikoprofile im Supply Chain Kontext besser reflektiert.
Im 360 Watch‑Indikator, der externe Risiko‑ und Kontroversendaten einbezieht, erweitert EcoVadis die Liste der „aggravating & mitigating factors“ um den Aspekt Stakeholder Consensus. Dieser Faktor berücksichtigt, wie stark externe Stakeholder eine aufgeführte Kontroverse als substantiell einstufen.
Das Ergebnis: Die 360‑Watch‑Bewertung wird feiner abgestuft, da nicht nur klassische Kriterien wie Schwere, Umfang oder Reversibilität zählen, sondern auch externe Wahrnehmungs‑Signale ihrer Validität und Schwere Gewicht bekommen. Dies unterstützt eine fairere Bewertung bei potenziell schwer interpretierbaren Vorfällen.
EcoVadis setzt das Rating aus für Unternehmen mit Hauptsitz in sechs Staaten, die als extrem konflikt‑ und menschenrechtsrisikobehaftet eingestuft werden: Afghanistan, DR Kongo, Myanmar, South Sudan, Sudan, Yemen.
Dieser Schritt steht im Einklang mit OECD‑Empfehlungen zum Umgang mit Unternehmensbewertungen in instabilen Kontexten. Unternehmen, die in diesen Ländern operieren, aber anderswo ansässig sind, bleiben in der Bewertung; Sitzgesellschaften in den genannten Ländern werden jedoch aktuell nicht bewertet.
Ein neues ISIC‑Code‑Segment – 4773 „Other retail sale of new goods in specialized stores“ – wurde in das EcoVadis‑Bewertungssystem aufgenommen. Damit können Unternehmen dieser Branche nun einen spezifischeren Fragebogen erhalten, was zuliefernden KMU in diesen Segmenten zusätzliche Relevanz verschafft und die Gefahr von falscher Klassifikation reduziert.
Mit einer der weitreichendsten Änderungen integriert EcoVadis die Ergebnisse aus Worker Voice Surveys und Worker Voice Connect in die Bewertung.
Diese Integration macht die Bewertung wirklichkeitsnäher, weil sie nicht länger nur von eingereichten Dokumenten ausgeht, sondern tatsächliche Mitarbeitenden‑Erfahrungen im Betrieb reflektiert. Gleichzeitig motiviert sie Unternehmen, ihre Grievance‑Prozesse stärker zu operationalisieren.
EcoVadis hat die Hilfetexte zu vielen Fragebogenoptionen erweitert und präzisiert – beispielsweise durch konkretere Beispiele zu Dokumenten, die beigefügt werden sollten, und klarere Leitfäden zur Interpretation einzelner Antwortoptionen.
Gerade in Themen wie Wasser, Energie, Luftverschmutzung oder Logistik kann guter Help Content Missverständnisse vermeiden und Unternehmen helfen, scorerelevante Nachweise korrekt zu liefern – was langfristig Zeit spart und die Datenqualität erhöht.
EcoVadis schafft in diesen Änderungen mehr Transparenz & Diagnostik im Reporting:
Gleichzeitig erhöht die Scorecard‑Granularität die Sichtbarkeit für Unternehmen, welche konkreten ESG‑Datenpunkte fehlen, und hilft damit, Maßnahmenpläne effizienter zu priorisieren.
EcoVadis präzisiert, welche Arten von externen Audit‑Berichten als valide Evidenz gelten:
Diese Klärung reduziert wiederkehrende Fehler beim Dokument‑Upload und sorgt für eine konsistentere Bewertung.
Ein weiterer wichtiger Baustein: Mitarbeiterfluktuation (Employee Turnover) wurde als valide Evidenz unter dem Working Conditions‑Thema aufgenommen. Dies spiegelt wider, dass Unternehmen, die aktiv Personalbindung, Arbeitszufriedenheit und Retention‑Strategien messen, robuster in ihrer Arbeitskultur aufgestellt sind – ein zunehmend beachteter Aspekt in ESG‑Ratings.
Das aktuelle Country Risk Update verändert das Risikoprofil für vier Länder:
Solche Risikaanpassungen wirken sich auf die Länderrisikogewichtung im Rating aus und können Scoreänderungen beeinflussen, insbesondere bei global verteilten Lieferketten.
EcoVadis ergänzt eine neue Frage zur physischen Klimarisikoanalyse (z. B. Extremwetter, Anpassungs‑ oder Wiederherstellungspläne). Diese Frage hat keinen direkten Score‑Impact, kann aber zu zusätzlichen Strengths oder Improvement Areas führen, indem sie die Klimaresilienz des Unternehmens sichtbar macht.
Das EcoVadis Methodik‑Update Q4/2025 zeigt einen klaren Trend: mehr Granularität, höhere Aussagekraft, stärkere regulatorische Anschlussfähigkeit und bessere Stakeholder‑Einbindung. Unternehmen, die diese Methodik proaktiv implementieren und mit robusten Nachweisen untermauern, schaffen nicht nur Score‑Vorteile, sondern auch nachhaltige strategische Resilienz in ihren Geschäftsmodellen.
Als Ihr Partner für EcoVadis Methodik, Scorecard‑Optimierung und nachhaltige Unternehmensentwicklung unterstützt Five Glaciers Consulting Sie dabei, die neuesten Methodik‑Anforderungen effizient umzusetzen.

Governance & Regulatorik
Best Practices

Best Practices

Best Practices
Klimamanagement


Kontaktieren Sie uns für alle Anliegen und Fragen rund um das Thema Nachhaltigkeit. Wir nehmen uns gerne Zeit für ein persönliches Treffen oder einen digitalen Kaffee.
Tel.: +49 174 1305766
E-Mail: info@fiveglaciers.com
Direkte Terminbuchung