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EcoVadis Methodik‑Update Q4/2025 – Bedeutung & Einordnung für Ihr ESG-Rating in 2026

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DATUM

5.1.2026

AUTOREN

Dr. Merlin C. Köhnke

THEMEN

Ratings & Zertifizierungen

Best Practices

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Mehr Klarheit: Die EcoVadis Rating-Methodik im Jahr 2026

Am 30. Dezember 2025 veröffentlichte EcoVadis die neuesten „Methodology Updates Q4/2025“ – ein Set von Anpassungen, das die Grundlage der Bewertungspraxis weiter professionalisiert. EcoVadis Ratings dienen weltweit als objektive, vergleichbare Messlatte für Nachhaltigkeitsleistungen von Unternehmen unterschiedlicher Größe und Branchen. Ein tieferes Verständnis der Methodik‑Änderungen hilft Unternehmen, ihre ESG‑Leistung strategisch auszurichten und gezielt in ihren Scorecards zu punkten.

EcoVadis selbst betont, dass diese Updates nicht nur punktuelle Modifikationen sind, sondern auf Feedback aus der Praxis, regulatorischen Anforderungen in der EU (z. B. CSRD/CS3D) und dem wachsenden Anspruch an transparente Nachhaltigkeitsdaten reagieren. Unternehmen, die diese Entwicklungen gezielt in ihre Nachhaltigkeitsstrategie integrieren, erhöhen ihre Chancen auf eine starke Bewertung und eine robuste ESG‑Positionierung.

Executive Summary vom 05.01.2026

Dieses EcoVadis Methodik‑Update (Q4/2025) deckt mehrere zentrale Entwicklungen ab – von regulatorischen Anpassungen über Erweiterungen bei Scorecard‑Indikatoren bis hin zu verbesserten Hilfe‑Inhalten im Fragebogen. Ziel der Änderungen ist es, die Bewertungspraxis noch präziser, transparenter und fairer zu gestalten.

Enthaltene Schwerpunkte:
  • VSME Reporting Integration: Erweiterte Stärkenlogik mit Basic und Comprehensive Modulen zur granulareren Bewertung von KMU‑Berichten.
  • CS3D‑Erweiterungen: Neue Fragen zur Absicherung junger Arbeitnehmer und zur Due Diligence von Recruitment‑Agenturen.
  • Worker Voice Survey & Connect: Direkte Mitarbeitenden‑Insights werden als zusätzliche Scorecard‑Information berücksichtigt.
  • 360 Watch Erweiterung: Einführung des Faktors „Stakeholder Consensus“ zur differenzierten Kontroversenbewertung.
  • Country Risk Update 2026: Aktualisierte Risikostufen für Kosovo, Paraguay, Seychellen und Timor‑Leste.
  • Neue Climate Physical Risk Frage: Ergänzung eines neuen Indikators zur physischen Klima‑Risikoanalyse im Environment‑Thema.
  • Help Content & Audit‑Klarstellungen: Präzisierte Hilfetexte und Anforderungen an externe Audit‑Dokumente.
  • Granularere Improvement Areas: Mehr Transparenz über fehlende Best Practices auf der Scorecard.

Konkrete Methodik-Anpassung im Q4 2025

Das letzte Updatedes Kalenderjahres macht die EcoVadis-Methodik robuster und aussagekräftiger. Die folgenden Anpassungen helfen Unternehmen, sowohl regulatorische Anforderungen als auch Stakeholder‑Erwartungen besser abzubilden:

Update der Konglomerat‑Bewertungsregeln

EcoVadis passt die Logik zur Bewertung von Konglomeraten an. Ein Unternehmen darf künftig nur dann auf Gruppenebene bewertet werden, wenn eine einzelne Unternehmenssparte mehr als 51 % des Umsatzes erwirtschaftet. Diese Senkung der bisherigen 60 %-Schwelle bringt die EcoVadis Klassifikation in Einklang mit internationalen Branchendatenbanken wie Bloomberg oder NAICS.

Damit wird Klarheit geschaffen: Große, diversifizierte Unternehmensgruppen verlieren künftig die Möglichkeit auf eine pauschale Gruppenbewertung, wenn ihre Struktur heterogen ist. Insbesondere große Konzerne sollten daher prüfen, wie ihre Segment‑ und Umsatzstruktur in die EcoVadis Assessment Logic passt und welche Implikationen dies für die Auswahl des Bewertungsumfangs (Gruppe vs. Division/Einheit) hat.

VSME Standard: Granulare Stärken und Scoring‑Logik für das freiwillige Reporting

Das Update Q4/2025 baut die Integration des EFRAG VSME Standards im EcoVadis Rating weiter aus. Der VSME (Voluntary Sustainability Reporting Standard for non‑listed SMEs) ist ein freiwilliger europäischer Berichtstandard für kleinere Unternehmen, der von der EU‑Kommission ausdrücklich empfohlen wird, um harmonisierte ESG‑Informationen im Lieferketten‑ und Finanzkontext zu erzeugen.  

Wichtig: EcoVadis unterscheidet nun zwei spezifische Stärken für VSME‑Berichte:

  • VSME Basic Module: bis zu 75 / 100 Punkte, wenn grundlegende Daten und Mindestoffenlegungen erfüllt sind
  • VSME Comprehensive Module: bis zu 100 / 100 Punkte, wenn tiefere, erweiterte ESG‑Informationen gemäß VSME erbracht werden

Der Standard umfasst ungefähr 140 Datenpunkte, die in ein Basic Module (z. B. 11 Kernoffenlegungen) und ein Comprehensive Module gegliedert sind, das weitergehende Informationen berücksichtigt.  

Kontext zur EU‑Entwicklung: Im Sommer 2025 hat die EU‑Kommission den VSME‑Standard offiziell empfohlen, und zwar nicht nur als Minimal‑Standard, sondern als Referenz für Nachhaltigkeitsdaten, die von Banken, Investoren oder großen Unternehmen von KMU angefragt werden sollten.   Das bedeutet: Trotz fehlender CSRD‑Pflicht könnten VSME‑Reports zunehmend zu einem «de‑facto‑Standard» für Lieferketten‑Reporting werden, insbesondere dort, wo große Kunden oder Finanzpartner ESG‑Daten brauchen.

Empfehlung für Unternehmen:

  • Novizen sollten zunächst mit dem Basic Module starten, um eine solide Grundlage zu schaffen.
  • Wer bereits Kapazitäten hat oder im Wettbewerb steht, kann von einem direkten Einstieg in das Comprehensive Module profitieren, da dies mehr Stakeholder‑Bedürfnisse adressiert und Zugang zu höheren Score‑Potenzialen bietet.

CS3D‑Überarbeitung bei Kinder‑/Zwangsarbeit

Der Child Labor, Forced Labor & Human Trafficking Indikator wurde im Kontext der EU‑Corporate Sustainability Due Diligence Directive (CS3D) überarbeitet. EcoVadis fügt neue granularere Fragemöglichkeiten ein – z. B. zu Schutzmaßnahmen für junge Beschäftigte (unter 18 Jahren) und zur Due Diligence von Rekrutierungsagenturen bei mittleren und großen Unternehmen.

Damit schließt EcoVadis eine Lücke zwischen regulatorischen Erwartungen und Rating‑Abdeckung: Unternehmen können nun ihre Präventions‑ und Schutzmaßnahmen detaillierter darstellen, was nicht nur zu höheren Scores führt, sondern auch echte Risikoprofile im Supply Chain Kontext besser reflektiert.

Erweiterte Faktoren im 360° Watch Rating

Im 360 Watch‑Indikator, der externe Risiko‑ und Kontroversendaten einbezieht, erweitert EcoVadis die Liste der „aggravating & mitigating factors“ um den Aspekt Stakeholder Consensus. Dieser Faktor berücksichtigt, wie stark externe Stakeholder eine aufgeführte Kontroverse als substantiell einstufen.

Das Ergebnis: Die 360‑Watch‑Bewertung wird feiner abgestuft, da nicht nur klassische Kriterien wie Schwere, Umfang oder Reversibilität zählen, sondern auch externe Wahrnehmungs‑Signale ihrer Validität und Schwere Gewicht bekommen. Dies unterstützt eine fairere Bewertung bei potenziell schwer interpretierbaren Vorfällen.

Ratingsaussetzung in schwer konfliktbetroffenen Ländern

EcoVadis setzt das Rating aus für Unternehmen mit Hauptsitz in sechs Staaten, die als extrem konflikt‑ und menschenrechtsrisikobehaftet eingestuft werden: Afghanistan, DR Kongo, Myanmar, South Sudan, Sudan, Yemen.

Dieser Schritt steht im Einklang mit OECD‑Empfehlungen zum Umgang mit Unternehmensbewertungen in instabilen Kontexten. Unternehmen, die in diesen Ländern operieren, aber anderswo ansässig sind, bleiben in der Bewertung; Sitzgesellschaften in den genannten Ländern werden jedoch aktuell nicht bewertet.

Erweiterung um weitere ISIC‑Klassifikation

Ein neues ISIC‑Code‑Segment – 4773 „Other retail sale of new goods in specialized stores“ – wurde in das EcoVadis‑Bewertungssystem aufgenommen. Damit können Unternehmen dieser Branche nun einen spezifischeren Fragebogen erhalten, was zuliefernden KMU in diesen Segmenten zusätzliche Relevanz verschafft und die Gefahr von falscher Klassifikation reduziert.

Worker Voice Survey & Worker Voice Connect – tiefere Arbeitnehmer‑Einblicke

Mit einer der weitreichendsten Änderungen integriert EcoVadis die Ergebnisse aus Worker Voice Surveys und Worker Voice Connect in die Bewertung.

  • Worker Voice Survey liefert direkte Stimmen der Mitarbeitenden zu realen Arbeitsbedingungen und kann zu einem nicht‑scorenden „Confirmed by Worker Voice Survey“-Tag im Scorecard führen, wenn Mitarbeitende die Implementierung bestimmter Maßnahmen bestätigen.
  • Worker Voice Connect generiert datenbasierte Einsichten in Qualität und Praxis der Grievance‑Mechanismen, die als zusätzliche Strengths oder Improvement Areas ausgewiesen werden können.

Diese Integration macht die Bewertung wirklichkeitsnäher, weil sie nicht länger nur von eingereichten Dokumenten ausgeht, sondern tatsächliche Mitarbeitenden‑Erfahrungen im Betrieb reflektiert. Gleichzeitig motiviert sie Unternehmen, ihre Grievance‑Prozesse stärker zu operationalisieren.

Questionnaire Help Content Review – verbesserte Anleitung

EcoVadis hat die Hilfetexte zu vielen Fragebogenoptionen erweitert und präzisiert – beispielsweise durch konkretere Beispiele zu Dokumenten, die beigefügt werden sollten, und klarere Leitfäden zur Interpretation einzelner Antwortoptionen.

Gerade in Themen wie Wasser, Energie, Luftverschmutzung oder Logistik kann guter Help Content Missverständnisse vermeiden und Unternehmen helfen, score­relevante Nachweise korrekt zu liefern – was langfristig Zeit spart und die Datenqualität erhöht.

Improvement Areas & Scorecard‑Granularität

EcoVadis schafft in diesen Änderungen mehr Transparenz & Diagnostik im Reporting:

  • Improvement Areas werden spezifischer und besser verständlich formuliert.
  • Alte, allgemein gehaltene Hinweise gehen in zielgerichtete, umsetzbare Felder über, die direkt auf fehlende Best Practices oder Policy‑Elemente verweisen.

Gleichzeitig erhöht die Scorecard‑Granularität die Sichtbarkeit für Unternehmen, welche konkreten ESG‑Datenpunkte fehlen, und hilft damit, Maßnahmenpläne effizienter zu priorisieren.

External Audit – klare Anforderungen an GEN5004

EcoVadis präzisiert, welche Arten von externen Audit‑Berichten als valide Evidenz gelten:

  • Nur unabhängige, akkreditierte Audit‑Berichte, die mehrere Nachhaltigkeitsthemen abdecken
  • Einzeldimensionen wie ISO‑Zertifikate allein sind nicht ausreichend

Diese Klärung reduziert wiederkehrende Fehler beim Dokument‑Upload und sorgt für eine konsistentere Bewertung.

Employee Turnover im Working Conditions Theme

Ein weiterer wichtiger Baustein: Mitarbeiterfluktuation (Employee Turnover) wurde als valide Evidenz unter dem Working Conditions‑Thema aufgenommen. Dies spiegelt wider, dass Unternehmen, die aktiv Personalbindung, Arbeitszufriedenheit und Retention‑Strategien messen, robuster in ihrer Arbeitskultur aufgestellt sind – ein zunehmend beachteter Aspekt in ESG‑Ratings.

Country Risk Update 2026

Das aktuelle Country Risk Update verändert das Risikoprofil für vier Länder:

Land 2025 Risk Level 2026 Risk Level Hauptfaktor
Kosovo Mittel Hoch Korrektur eines internen Datenfehlers
Paraguay Hoch Mittel Rückgang CO₂ & Luftverschmutzungsrisiken
Seychellen Niedrig Mittel Erhöhte CO₂‑Risiken
Timor‑Leste Hoch Mittel Besseres Sozial‑/Umweltprofil

Solche Risikaanpassungen wirken sich auf die Länderrisikogewichtung im Rating aus und können Scoreänderungen beeinflussen, insbesondere bei global verteilten Lieferketten.

Neue Fragen zu Physical Climate Risk (Physische Klimarisiken)

EcoVadis ergänzt eine neue Frage zur physischen Klimarisikoanalyse (z. B. Extremwetter, Anpassungs‑ oder Wiederherstellungspläne). Diese Frage hat keinen direkten Score‑Impact, kann aber zu zusätzlichen Strengths oder Improvement Areas führen, indem sie die Klimaresilienz des Unternehmens sichtbar macht.

Unser Fazit – EcoVadis Methodik als strategischer Hebel

Das EcoVadis Methodik‑Update Q4/2025 zeigt einen klaren Trend: mehr Granularität, höhere Aussagekraft, stärkere regulatorische Anschlussfähigkeit und bessere Stakeholder‑Einbindung. Unternehmen, die diese Methodik proaktiv implementieren und mit robusten Nachweisen untermauern, schaffen nicht nur Score‑Vorteile, sondern auch nachhaltige strategische Resilienz in ihren Geschäftsmodellen.

Weiterführende EcoVadis Beratung mit Five Glaciers Consulting

Als Ihr Partner für EcoVadis Methodik, Scorecard‑Optimierung und nachhaltige Unternehmensentwicklung unterstützt Five Glaciers Consulting Sie dabei, die neuesten Methodik‑Anforderungen effizient umzusetzen.

FAQ – Häufige Fragen zum Q4/2025 Update

Was bedeutet die neue VSME‑Integration im EcoVadis Rating?
Die Integration des EFRAG VSME Standards bedeutet, dass KMU‑Berichte nach diesem Standard nun direkt mit spezifischen Stärken im EcoVadis Score ausgezeichnet werden. Es gibt zwei Module: ein Basic Module mit bis zu 75 Punkten und ein Comprehensive Module mit bis zu 100 Punkten. Die EU empfiehlt den VSME‑Standard als einheitliche freiwillige Grundlage für KMU‑Nachhaltigkeitsberichte, was ihn zu einem starken Asset in Lieferketten‑Ratings macht.
Wie profitieren Unternehmen von Worker Voice Survey & Worker Voice Connect?
Durch die Integration von Worker Voice Daten erhalten Unternehmen die Möglichkeit, direkte Rückmeldungen von Mitarbeitenden in Form von bestätigten Maßnahmen im Scorecard sichtbar zu machen. Worker Voice Connect ergänzt diese Informationen um qualitative Einsichten in Grievance‑Mechanismen. Dies erhöht die Validität der Bewertung über rein dokumentbasierte Nachweise hinaus.
Was bringt die Granularität bei Improvement Areas?
EcoVadis erweitert die bisherigen Improvement‑Hinweise um detaillierte, kontextspezifische Felder, die exakt aufzählen, welche Best Practices oder Nachweise fehlen. Dadurch wird das Scorecard‑Feedback konkreter, messbarer und umsetzbarer, was insbesondere für Nachvollziehbarkeit und strategische Planung wichtig ist.
Wie wirkt sich das Country Risk Update 2026 auf mein Rating aus?
Die Aktualisierung des Länderrisikos kann die Gewichtung einzelner Score‑Elemente beeinflussen. Länder wie Kosovo steigen ins High Risk, während Paraguay sinkt. Dies wirkt sich insbesondere auf Unternehmen mit globaler Präsenz oder Lieferketten in diesen Regionen aus, da das Länderrisiko ein Teil der EcoVadis Risk‑Profil‑Berechnung ist.
Warum sind präzisere Audit‑Anforderungen wertvoll?
Die Klarstellung, welche externen Audit‑Berichte als valide gelten (z. B. SMETA, BSCI) und welche nicht (z. B. ISO‑Management‑Audits), sorgt für höhere Datenqualität und Vergleichbarkeit. Damit werden Fehlerquellen reduziert und die Bewertung konsistenter.

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