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01.10.2026
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01.10.2026
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Das Catena-X PCF Rulebook ist die verbindliche Rechenvorschrift, nach der Hersteller und Zulieferer im Datenraum Catena-X den Produkt-CO₂-Fußabdruck eines Bauteils ermitteln und untereinander austauschen. Es konkretisiert ISO 14067 und das GHG Protocol Product Standard so weit, dass zwei Lieferanten desselben Teils vergleichbare Werte melden.
Die drei Regelwerke stehen nicht nebeneinander, sondern übereinander. ISO 14067 setzt den normativen Rahmen, die PACT-Methodik des WBCSD regelt den branchenübergreifenden Datenaustausch, und das Rulebook verengt beides für die Automobilzulieferkette auf eine einzige zulässige Auslegung.
| Merkmal | Catena-X PCF Rulebook | ISO 14067 | WBCSD PACT |
|---|---|---|---|
| Charakter | Branchenregelwerk mit einer zulässigen Auslegung | Internationale Norm mit Auslegungsspielraum | Austauschmethodik für PCF-Daten über Branchen hinweg |
| Systemgrenze | Cradle-to-Gate, verbindlich | Cradle-to-Gate oder Cradle-to-Grave, wählbar | Cradle-to-Gate |
| Verbindlichkeit | Verpflichtend für Teilnehmer, die das Catena-X-Use-Case-Framework angenommen haben | Freiwillig, sofern nicht vertraglich gefordert | Freiwillig |
| Typische Verwechslung | Wird für eine Software oder eine Plattform gehalten | Ein ISO-14067-PCF gilt automatisch als Catena-X-konform | Wird mit dem Rulebook gleichgesetzt |
Version 4 vom September 2025 trifft an den Stellen Festlegungen, an denen ISO 14067 Spielraum lässt. Die Systemgrenze ist auf Cradle-to-Gate festgeschrieben, einschließlich aller vorgelagerten Transporte. Weggelassen werden dürfen Prozesse nur, solange sie zusammen unter drei Prozent des Fußabdrucks bleiben — die verbleibende Abdeckung von 97 Prozent ist in einer Screening-Analyse nachzuweisen. Biogener Kohlenstoff ist doppelt zu melden: einmal mit und einmal ohne biogene CO₂-Aufnahme. In Version 3 war das noch optional.
Hinzu kommen eine feste Allokationshierarchie, die wirtschaftliche Allokation erst ab einem Wertverhältnis von fünf zulässt, ein gesondert auszuweisender Primärdatenanteil und ein Datenqualitäts-Rating je Datensatz. Bei Strom zählen seit Version 4 auch die Infrastrukturemissionen der Erzeugung mit — bei erneuerbarem Strom ist das der größere Teil. Die Übergangsfrist läuft bis Ende 2027; danach werden bislang optionale Anforderungen verpflichtend.
Der häufigste Irrtum in Zulieferprojekten lautet: Wir haben einen PCF nach ISO 14067, also sind wir Catena-X-konform. Das trifft in der Regel nicht zu. Ein nach ISO 14067 sauber gerechneter Fußabdruck kann eine andere Systemgrenze, eine andere Allokation und eine andere Behandlung des biogenen Kohlenstoffs verwenden und trotzdem normkonform sein. Genau diese Freiheitsgrade nimmt das Rulebook heraus. Wer den Bestandswert ungeprüft einstellt, liefert eine Zahl, die der Abnehmer nicht gegen die seiner anderen Lieferanten rechnen kann.
Praktisch entscheidet sich das an der Datengrundlage, nicht am Rechenweg. Weil der Primärdatenanteil gesondert auszuweisen ist, wird sichtbar, wie viel eines Werts auf eigenen Messungen beruht und wie viel auf Durchschnitten. Dort setzt der Aufbau eines Catena-X-konformen Produkt-Fußabdrucks mit belastbarem Primärdatenanteil an. Eine Einschätzung, kein Regelinhalt: Wer die Übergangsfrist bis Ende 2027 ausreizt, spart kurzfristig Aufwand und verliert die Zeit, in der sich Datenlücken bei Vorlieferanten noch ohne Termindruck schließen lassen. Dagegen spricht, dass das Rulebook seit Version 3 zweimal nachgeschärft wurde — wer heute vollständig umsetzt, baut möglicherweise auf einem Stand auf, der sich noch einmal ändert.
Die drei Fragen, die in Zulieferprojekten am häufigsten zum Catena-X-PCF gestellt werden.
Catena-X ist ein branchenweiter Datenraum der Automobilindustrie, in dem Hersteller, Zulieferer und Dienstleister definierte Daten entlang der Wertschöpfungskette austauschen. Getragen wird er vom Verein Catena-X Automotive Network. Der Produkt-CO₂-Fußabdruck ist einer der Anwendungsfälle; die zugehörige Rechenvorschrift ist das PCF Rulebook.
Nicht gesetzlich. Verbindlich wird es über die Teilnahme: Wer das Use-Case-Framework für den PCF-Datenaustausch angenommen hat, muss nach dem Rulebook rechnen. In der Praxis entsteht die Verpflichtung häufig über den Abnehmer, der die Datenlieferung vertraglich fordert.
In der Regel nicht. Das Rulebook schreibt Cradle-to-Gate als Systemgrenze fest, verlangt die doppelte Ausweisung des biogenen Kohlenstoffs, gibt eine Allokationshierarchie vor und begrenzt Ausschlüsse auf drei Prozent des Fußabdrucks. Ein ISO-14067-Ergebnis muss gegen diese Festlegungen geprüft und meist nachgerechnet werden.
Autor: Dr. Florian Niedermeier · Stand: Oktober 2026


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