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28.09.2026
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Das CO₂-Äquivalent (CO₂e) ist die Rechengröße, in der Treibhausgasbilanzen ausgedrückt werden: Jedes Treibhausgas wird über sein Treibhauspotenzial auf die Klimawirkung von Kohlendioxid umgerechnet und mit den übrigen Gasen zu einer Summe addiert. Ohne diese Umrechnung ließen sich Methan, Lachgas und fluorierte Gase nicht gemeinsam bilanzieren.
CO₂ bezeichnet ein einzelnes Gas, CO₂-Äquivalent eine Maßeinheit für die Klimawirkung aller Treibhausgase zusammen. Eine Angabe in Tonnen CO₂ umfasst nur Kohlendioxid; eine Angabe in Tonnen CO₂e umfasst zusätzlich Methan, Lachgas und die fluorierten Gase, jeweils gewichtet nach ihrem Treibhauspotenzial. Beide Angaben nebeneinanderzustellen vergleicht Bilanzumfänge, nicht Leistungen.
| Begriff | Was es bezeichnet | Rolle in der Bilanz | Häufige Verwechslung |
|---|---|---|---|
| CO₂ | Kohlendioxid als einzelnes Gas | Größter Einzelposten der meisten Inventare | Wird als Kurzform für die gesamte Bilanz verwendet |
| CO₂-Äquivalent (CO₂e) | Maßeinheit für die Klimawirkung aller Treibhausgase | Einheit, in der das Ergebnis ausgewiesen wird | Wird mit CO₂ gleichgesetzt und dadurch zu klein angegeben |
| Treibhauspotenzial (GWP) | Faktor, der ein Gas auf CO₂ umrechnet | Rechenschritt, nicht Ergebnis | Wird als Eigenschaft der Bilanz statt des Gases gelesen |
| Treibhausgas (THG) | Sammelbegriff für die erfassten Gase | Bestimmt den Umfang des Inventars | Wird auf CO₂ verengt |
ESRS E1 verlangt in AR 39(d) die Verwendung der jeweils aktuellsten vom IPCC veröffentlichten GWP-Werte auf Basis eines Zeithorizonts von 100 Jahren; eine konkrete Berichtsnummer nennt der Standard nicht. Das GHG Protocol empfiehlt seit seiner Fassung vom 7. August 2024 ausdrücklich die AR6-Werte. Für CSRD-berichtspflichtige Unternehmen läuft beides auf AR6 hinaus, auch wenn viele Bestandsinventare weiterhin auf AR5 rechnen.
Die Rechnung ist eine Multiplikation: Die Emissionsmenge eines Gases wird mit seinem Treibhauspotenzial über einen Zeithorizont von 100 Jahren multipliziert, die Ergebnisse werden über alle Gase addiert. Eine Tonne Lachgas entspricht nach den AR6-Werten 273 Tonnen CO₂e. Welcher Satz dabei gilt, entscheidet über das Ergebnis: Die folgende Übersicht zeigt, was der Wechsel von AR5 auf AR6 je Gas verschiebt.
| Gas | GWP₁₀₀ nach AR5 | GWP₁₀₀ nach AR6 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Kohlendioxid (CO₂) | 1 | 1 | unverändert |
| Methan, fossil | 30 | 29,8 | −0,7 % |
| Methan, biogen | 28 | 27,0 | −3,6 % |
| Lachgas (N₂O) | 265 | 273 | +3,0 % |
Die Werte stammen aus der Übersicht des GHG Protocol in der Fassung vom 7. August 2024, die die Angaben des IPCC für die Unternehmensbilanzierung zusammenführt. Die Prozentangaben in der rechten Spalte sind daraus berechnet.
Umgerechnet werden die sieben Gasgruppen des Kyoto-Protokolls: Kohlendioxid, Methan, Lachgas, teilfluorierte Kohlenwasserstoffe, perfluorierte Kohlenwasserstoffe, Schwefelhexafluorid und Stickstofftrifluorid. ESRS E1 und das GHG Protocol führen denselben Umfang als Pflichtbestandteil des Inventars.
In der Praxis entscheidet weniger die Liste als die Datenverfügbarkeit. Kohlendioxid liegt in fast jedem Unternehmen über Verbrauchsdaten vor. Die fluorierten Gase stecken in Kälteanlagen, Klimatechnik und Schaltanlagen und erscheinen in Bilanzen regelmäßig erst, wenn jemand die Wartungsprotokolle anfordert. Weil ihr Treibhauspotenzial um Größenordnungen über dem von Kohlendioxid liegt, fällt ihr Fehlen im Ergebnis auf, sobald sie nachgetragen werden.
Der Wechsel von AR5 auf AR6 wird in Projekten regelmäßig als Rundungsfrage behandelt. Das ist er nicht, und er geht nicht einmal in eine Richtung: Lachgas steigt um drei Prozent, biogenes Methan sinkt um knapp vier. Ob eine Bilanz nach dem Wechsel größer oder kleiner ausfällt, entscheidet der Gasmix. Ein Unternehmen mit Abwasserbehandlung oder landwirtschaftlicher Vorkette sieht seinen Wert steigen, ohne eine Tonne mehr emittiert zu haben.
Der teurere Fehler liegt eine Ebene tiefer. Wer den GWP-Satz für das Berichtsjahr wechselt und das Basisjahr stehen lässt, baut einen Methodikbruch in den Reduktionspfad ein: Die Kurve zeigt eine Veränderung, die keine ist. Auffällig wird das meist erst in der Prüfung oder beim Zielabgleich, wenn der Sprung erklärt werden muss und niemand mehr weiß, wann der Satz gewechselt wurde.
Unsere Empfehlung: den Wechsel bewusst terminieren und mit einer Neuberechnung des Basisjahres bündeln, statt ihn beiläufig mit einem Faktorenupdate einzuziehen. Dagegen spricht der Aufwand — bei gemischten Portfolios ist eine Basisjahr-Neuberechnung selten trivial. Wer nur wenige Nicht-CO₂-Quellen bilanziert, kann den Effekt stattdessen quantifizieren, dokumentieren und den Wechsel auf den nächsten ohnehin geplanten Bilanzschnitt legen. Five Glaciers Consulting übernimmt den Aufbau einer Treibhausgasbilanz mit konsistentem GWP-Satz über Basisjahr und Berichtsjahr und dokumentiert den Methodikstand so, dass er einer Prüfung standhält.
Die vier Fragen, die in Bilanzierungsprojekten am häufigsten zum CO₂-Äquivalent gestellt werden.
CO₂e steht für Kohlendioxid-Äquivalent. Die Einheit fasst die Klimawirkung aller Treibhausgase in einer Zahl zusammen, indem jedes Gas über sein Treibhauspotenzial auf die Wirkung von Kohlendioxid umgerechnet wird. Eine Bilanz in Tonnen CO₂e enthält also nicht nur Kohlendioxid, sondern auch Methan, Lachgas und die fluorierten Gase.
CO₂ ist ein einzelnes Gas, CO₂-Äquivalent eine Maßeinheit für die Klimawirkung aller Treibhausgase zusammen. Wer eine Angabe in Tonnen CO₂ mit einer Angabe in Tonnen CO₂e vergleicht, vergleicht unterschiedliche Bilanzumfänge — nicht unterschiedliche Leistungen.
ESRS E1 verlangt in AR 39(d) die jeweils aktuellsten vom IPCC veröffentlichten GWP-Werte auf Basis eines Zeithorizonts von 100 Jahren, ohne eine Berichtsnummer zu nennen. Das GHG Protocol empfiehlt in seiner Fassung vom 7. August 2024 ausdrücklich die Werte aus AR6. Für berichtspflichtige Unternehmen läuft beides auf AR6 hinaus.
In aller Regel ja. Wird das Berichtsjahr nach AR6 und das Basisjahr weiter nach AR5 gerechnet, enthält der Reduktionspfad eine Veränderung, die keine Emissionsveränderung ist. Beide Regelwerke verlangen eine konsistente Methodik über den Zielzeitraum; die saubere Antwort ist eine dokumentierte Neuberechnung des Basisjahres.
Autor: Dr. Florian Niedermeier · Stand: September 2026


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