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Energy Attribute Certificates (EACs) und Ihre Bedeutung für die Klimastrategie von Unternehmen

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24.3.2025

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Best Practices

Klimamanagement

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Energy Attribute Certificates (EACs) sind Herkunftsnachweise für erneuerbare Energien, die Unternehmen nutzen können, um ihre Scope-2-Emissionen glaubwürdig zu reduzieren und die Nutzung von Ökostrom transparent nachzuweisen. Ein einzelnes EAC steht für die Erzeugung von einer Megawattstunde (MWh) Strom aus erneuerbaren Quellen wie Wind, Solar oder Wasserkraft. Diese Zertifikate ermöglichen es Unternehmen, ihre Klimastrategien mit überprüfbaren Daten zu untermauern und die globale Umstellung auf kohlenstofffreie Energie aktiv zu unterstützen.

Dieser Beitrag erschien ursprünglich im März 2025 zum damaligen Entwurfsstand des SBTi Corporate Net-Zero Standard. Er wurde im September 2026 auf den geltenden Stand gebracht und um die laufende Überarbeitung der GHG-Protocol-Scope-2-Bilanzierung ergänzt.

EACs sind in verschiedenen Märkten unter unterschiedlichen Namen bekannt:

  • Guarantees of Origin (GoOs) in Europa
  • REGOs im Vereinigten Königreich (UK)
  • Renewable Energy Certificates (RECs) in den USA
  • N-ZECs in Neuseeland
  • Tradable Instruments for Global Renewables (TIGRs) in Indonesien und Singapur
  • J-credits in Japan
  • Large-scale generation certificates (LGCs) in Australien
  • Green Electricity Certificate (GEC) in China
  • International Renewable Energy Certificates (I-RECs) für außerhalb regulierter Märkte

EACs als zentrales Instrument zur Senkung von Scope-2-Emissionen

In einer Welt, in der Unternehmen zunehmend dazu angehalten werden, ihre Emissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu reduzieren, sind EACs eines der effektivsten Mittel, um kurzfristig signifikante Fortschritte zu erzielen. Ohne Herkunftsnachweise können Unternehmen keine glaubwürdigen Aussagen über ihre Nutzung erneuerbarer Energien treffen. Durch den Erwerb und die Stilllegung von EACs können Unternehmen eine marktbasiert berechnete Reduktion ihrer Scope-2-Emissionen erreichen und ihre Fortschritte in Nachhaltigkeitsberichten und Klimastrategien transparent dokumentieren.

EACs und Dekarbonisierung: mehr als nur Zertifikate

Obwohl EACs Unternehmen die Möglichkeit bieten, ihren Energieverbrauch formal als grün auszuweisen, sind sie kein Ersatz für eine langfristige Dekarbonisierungsstrategie. Nachhaltige Unternehmen kombinieren den Einsatz von EACs mit Maßnahmen wie Power Purchase Agreements (PPAs), der direkten Investition in erneuerbare Energieanlagen oder der Implementierung von Effizienzprogrammen zur Senkung des Energieverbrauchs.

EACs sind jedoch entscheidend für Unternehmen, die keinen direkten Zugang zu erneuerbaren Energiequellen haben oder deren Elektrizitätsmarkt nicht ausreichend auf erneuerbare Energien umgestellt ist. Indem sie die Nachfrage nach erneuerbarer Energie steigern, fördern Unternehmen über ihre eigene Klimastrategie hinaus den Ausbau der erneuerbaren Energiewirtschaft.

EACs im Vergleich zur CO₂-Kompensation: der entscheidende Unterschied

Im Gegensatz zu CO₂-Kompensationen, die Emissionen außerhalb der eigenen Wertschöpfungskette ausgleichen, stellen EACs eine direkte Dekarbonisierungsmaßnahme für den eigenen Energieverbrauch (Scope 2) dar. Während Offsets darauf abzielen, die Emissionen durch Klimaschutzprojekte außerhalb der eigenen Geschäftstätigkeit zu neutralisieren, ermöglichen EACs Unternehmen, ihren eigenen Kohlenstoff-Fußabdruck in Bezug auf den Stromverbrauch tatsächlich zu reduzieren.

EACs sind also nicht nur ein Instrument zur Erfüllung regulatorischer Anforderungen, sondern eine zentrale Säule jeder Klimastrategie, die glaubwürdige und überprüfbare Emissionsreduktionen anstrebt.

Was die Überarbeitung der Scope-2-Bilanzierung für EACs bedeutet

Die Regeln, nach denen EACs in der Treibhausgasbilanz angerechnet werden, stehen zur Überarbeitung. Das GHG Protocol hat seine öffentliche Konsultation zur Scope-2-Bilanzierung ausgewertet und die Ergebnisse am 29. Juli 2026 veröffentlicht: knapp 1.100 Rückmeldungen aus 56 Ländern, mit deutlich auseinandergehenden Auffassungen darüber, wie Strombeschaffung zur Dekarbonisierung beiträgt und wie sich das in der Bilanz abbilden lässt.

Wichtig für die Planung: Es ist nichts beschlossen. Technical Working Group und Independent Standards Board prüfen, ob künftig mehrere Berichtsansätze nebeneinander angeboten werden, die unterschiedliche Wirkungslogiken abbilden. Verbreitete Aussagen, stündliches Matching werde ab 2027 Pflicht, sind durch den veröffentlichten Sachstand nicht gedeckt.

Die Scope-2-Guidance wird zudem nicht mehr einzeln fortgeschrieben. Sie geht in einem gemeinsamen Corporate Standard von GHG Protocol und ISO auf, der die Scope-1-, Scope-2- und Scope-3-Regelwerke mit dem Workstream Actions and Market Instruments und der ISO 14064-1 zusammenführt. Die konsolidierte öffentliche Konsultation ist für das zweite Quartal 2027 angesetzt, die Veröffentlichung für das vierte Quartal 2028.

Für EACs ist der Workstream Actions and Market Instruments der entscheidende Teil. Er definiert ein Marktinstrument als vertragliche Vereinbarung zur Erzeugung, Übertragung oder Inanspruchnahme treibhausgasbezogener Umweltattribute — EACs fallen genau darunter. Vorgeschlagen ist eine Multi-Statement-Berichtsstruktur mit drei getrennten Ausweisen: physische Bestandsemissionen, marktbasierte beziehungsweise vertragliche Emissionen und die Emissionswirkung der ergriffenen Maßnahmen.

Das GHG Protocol nennt dazu eine Handlungsempfehlung, die schon heute gilt: Wer den Multi-Statement-Ansatz vorwegnehmen will, soll die drei Kategorien getrennt und transparent ausweisen und nicht gegeneinander verrechnen. Das ist ohne Regeländerung umsetzbar und reduziert den Anpassungsaufwand, wenn der konsolidierte Standard greift. Wie sich marktbasierte und standortbezogene Bilanzierung heute unterscheiden, zeigt unser Beitrag zu Scope-2-Emissionen marktbasiert und standortbasiert.

Die Rolle von EACs im SBTi Corporate Net-Zero Standard V2.0

Die SBTi hat den Corporate Net-Zero Standard Version 2.0 am 11. Juni 2026 veröffentlicht. Er entstand aus zwei öffentlichen Konsultationsrunden, einem Pilottest und der Freigabe durch den unabhängigen Technical Council und baut auf einem Jahrzehnt Erfahrung mit mehr als 11.000 Unternehmen auf, die wissenschaftsbasierte Ziele gesetzt haben.

Nach Angaben mehrerer Fachpublikationen wird der Standard zum 1. Februar 2027 wirksam; Zielvorgaben nach Version 1.3.1 sollen demnach bis zum 31. Januar 2028 einreichbar bleiben, danach gilt Version 2.0 verbindlich. Diese Übergangsfristen sind bislang nur über Sekundärquellen gedeckt — den verbindlichen Stand entnehmen Sie der SBTi-Dokumentation.

Der Standard definiert Environmental Attribute Certificates als Instrumente zur Quantifizierung, Verifizierung und Nachverfolgung der Umweltvorteile von Projekten oder Aktivitäten und unterscheidet zwei Hauptkategorien:

  1. Kohlenstoffgutschriften (Carbon Credits): Sie bescheinigen die Ergebnisse von Projekten, die Kohlenstoffemissionen reduzieren, vermeiden oder entfernen.
  2. Energie- und Rohstoffzertifikate: Sie vermitteln die Umweltleistung von Aktivitäten. Dazu gehören Zertifikate für Strom, Brennstoffe und andere Rohstoffe.

Die SBTi legt weiterhin den Schwerpunkt auf direkte Emissionsreduktionen. Die Verwendung von EACs ist als ergänzende Maßnahme zu verstehen, insbesondere für Emissionen, die derzeit schwer zu mindern sind. Wie sich das in einer konkreten Klimazielsetzung nach SBTi niederschlägt, hängt vom Anteil des Stromverbrauchs an der Gesamtbilanz ab. Was sich im Corporate Net-Zero Standard Version 2.0 darüber hinaus ändert — von der Umsetzungshierarchie bis zum Umgang mit fortbestehenden Emissionen — behandeln wir ausführlich im Beitrag zum SBTi Corporate Net-Zero Standard V2.

Vorteile und Herausforderungen von EACs

Die Stärken und Grenzen des Instruments lassen sich klar benennen.

Vorteile:

  1. Verlässlichkeit und Transparenz: EACs bieten eine überprüfbare Möglichkeit zur Senkung von Scope-2-Emissionen.
  2. Erfüllung regulatorischer Anforderungen: Sie helfen Unternehmen, Anforderungen von SBTi, CDP und RE100 zu erfüllen.
  3. Flexibilität bei der Energiebeschaffung: Unternehmen können Zertifikate je nach Standort und Energiebedarf strategisch einsetzen.
  4. Verbesserung der Marktposition: Kunden und Investoren bevorzugen Unternehmen mit klaren Nachhaltigkeitsstrategien.

Herausforderungen:

  • Qualitätsunterschiede: Nicht alle EACs sind gleichwertig — zusätzliche Kriterien wie Labels oder Standortwahl sollten berücksichtigt werden.
  • Marktvolatilität: Steigende Nachfrage kann zu Preisschwankungen führen.
  • Langfristige Strategie erforderlich: Unternehmen sollten über den bloßen Kauf von Zertifikaten hinausdenken und eigene Dekarbonisierungsmaßnahmen integrieren.

Fünf Qualitätskriterien, die über die Belastbarkeit entscheiden

Ob ein EAC-gestützter Anspruch einer Prüfung standhält, entscheidet sich an fünf Kriterien. Sie gelten unabhängig vom Markt und sind die Grundlage der Anerkennung durch RE100, CDP und das GHG Protocol.

  • Exklusivanspruch: Jedes Zertifikat darf nur einmal und nur von einer Partei beansprucht werden. Bei Verstoß droht Doppelzählung, der Anspruch ist nicht prüffest.
  • Marktgrenze: Nachweis und Verbrauch müssen im selben Strommarkt liegen. Andernfalls wird der Anspruch von RE100 und CDP nicht anerkannt.
  • Zeitlicher Bezug: Die Stornierung muss innerhalb von zwölf Monaten nach dem Verbrauchsjahr erfolgen. Sonst gilt der Nachweis als veraltet.
  • Inbetriebnahmedatum: Das Datum ist offenzulegen; RE100 arbeitet mit einer Orientierungsgrenze von 15 Jahren. Fehlt die Angabe, lässt sich die Zusätzlichkeitsfrage nicht belastbar beantworten.
  • Offenlegung: Erzeugungsart, Standort und Inbetriebnahme gehören in den Bericht. Das Fehlen dieser Angaben ist der häufigste Greenwashing-Vorwurf — und der vermeidbarste.

Der letzte Punkt verdient eine eigene Bemerkung. Kritik an EACs richtet sich in der Praxis fast nie gegen das Instrument selbst, sondern gegen lückenhafte Offenlegung. Sauber beschafft, fristgerecht storniert und vollständig ausgewiesen ist ein EAC-gestützter Anspruch belastbar. Wer Erzeugungsart und Inbetriebnahme verschweigt, macht ihn angreifbar — unabhängig von der Qualität der Zertifikate.

Best Practices für den Einsatz von EACs

Die effektive Nutzung von EACs erfordert strategische Entscheidungen zu Marktgrenzen, Erzeugungszeitpunkt und Technologie.

1. Marktgrenzen beachten

Unternehmen sollten bevorzugt EACs aus den Ländern oder Energiemärkten erwerben, in denen ihr Stromverbrauch stattfindet. In Europa ist es beispielsweise möglich, Herkunftsnachweise aus verschiedenen Ländern innerhalb des europäischen Strommarkts zu nutzen. In Nordamerika können EACs zwischen den USA und Kanada gehandelt werden. Existiert für einen Standort kein lokales Nachweissystem, ist der Bezug aus einem Nachbarland mit Netzkopplung zulässig — dann gehört die Abweichung offengelegt.

2. Vintage-Kriterien einhalten

Der Zeitraum, in dem der erneuerbare Strom produziert wurde, sollte möglichst genau mit dem Verbrauchsjahr übereinstimmen. Unternehmen sollten sicherstellen, dass ihre EACs nicht veraltet sind, um glaubwürdige Emissionsreduktionen zu gewährleisten und regulatorische Anforderungen zu erfüllen.

3. Technologieauswahl und Nachhaltigkeitsstandards

Nicht alle erneuerbaren Energien werden gleich bewertet. Während Solar-, Wind- und Wasserkraft häufig als bevorzugte Optionen gelten, sind bestimmte Standards restriktiver, wenn es um Biomasse oder Wasserkraft geht. Unternehmen sollten darauf achten, dass ihre EACs von nachhaltigen Energiequellen stammen und — falls notwendig — mit zusätzlichen Labels wie EKOenergy oder D-RECs zertifiziert sind.

4. Beschaffung über das Jahr verteilen

Wer die gesamte Jahresmenge erst kurz vor dem Berichtsstichtag beschafft, trifft auf dieselbe Nachfragespitze wie alle anderen. Zwei bis drei Kaufzeitpunkte im Jahr glätten das Preisrisiko und verschaffen Spielraum, wenn Reporting- und Geschäftsjahr auseinanderfallen. Bei mehrjährigen Abschlüssen ist angesichts der laufenden Regelüberarbeitung ein kürzerer Horizont die vorsichtigere Wahl.

Unsere Einschätzung

EACs sind das Instrument, mit dem sich Scope-2-Emissionen kurzfristig und prüffest senken lassen — und sie bleiben es, auch wenn die Anrechnungsregeln überarbeitet werden. Die Frage ist nicht mehr, ob Unternehmen sie einsetzen, sondern ob die Beschaffung den Qualitäts- und Offenlegungsanforderungen standhält, die mit dem konsolidierten GHG-Protocol-Standard eher steigen als sinken.

Aus unserer Projekterfahrung scheitert die Belastbarkeit selten an der Zertifikatsqualität und fast immer an der Dokumentation. Wer Erzeugungsart, Standort, Inbetriebnahmedatum und Stornierungsbeleg lückenlos ablegt, hat den Aufwand einmal — und steht bei jeder Prüfung ruhig da. Wer das nachträglich rekonstruieren muss, zahlt ein Vielfaches. Für die Einordnung in eine belastbare Klimastrategie ist das der Punkt, an dem sich Sorgfalt auszahlt.

Halten Ihre Grünstromnachweise einer Prüfung stand?

Wir gehen mit Ihnen die fünf Qualitätskriterien durch, prüfen Marktgrenzen und Stornierungsfristen Ihrer bestehenden Beschaffung und zeigen, wo die Dokumentation für die Wirtschaftsprüfung noch Lücken hat.

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Fazit

EACs sind ein etabliertes und anerkanntes Instrument, um den Stromverbrauch eines Unternehmens marktbasiert als erneuerbar auszuweisen. Ihre Belastbarkeit hängt an fünf Kriterien: Exklusivanspruch, Marktgrenze, zeitlicher Bezug, Inbetriebnahmedatum und Offenlegung. Erfüllt eine Beschaffung diese Punkte, hält der Anspruch auch kritischer Prüfung stand.

Die laufende Überarbeitung der Scope-2-Bilanzierung ändert daran kurzfristig nichts — der gemeinsame GHG-Protocol-ISO-Standard wird für das vierte Quartal 2028 erwartet. Der sinnvolle nächste Schritt ist deshalb nicht Abwarten, sondern die eigene Nachweisdokumentation auf Prüffestigkeit zu bringen und physische wie marktbasierte Emissionen schon heute getrennt zu führen.

Quellen

  1. GHG Protocol: GHG Protocol Announces Key Standard Development Updates (29.07.2026) — https://ghgprotocol.org/blog/ghg-protocol-announces-key-standard-development-updates
  2. GHG Protocol: Key Standard Development Updates — FAQ Resource (29.07.2026) — https://ghgprotocol.org/blog/ghg-protocol-announces-key-standard-development-updates-faq-resource
  3. GHG Protocol: Scope 2 Public Consultation — Summary of Feedback (29.07.2026) — https://ghgprotocol.org/sites/default/files/2026-07/S2-PublicConsultationSummaryofFeedback-2026.07.29.pdf
  4. GHG Protocol: Scope 2 Guidance (2015, abgerufen im September 2026) — https://ghgprotocol.org/scope-2-guidance
  5. Science Based Targets initiative: The SBTi releases Corporate Net-Zero Standard V2.0 (11.06.2026) — https://sciencebasedtargets.org/news/the-sbti-releases-corporate-net-zero-standard-v2-0-to-accelerate-corporate-climate-action
  6. Science Based Targets initiative: The new Corporate Net-Zero Standard Version 2.0 (abgerufen im September 2026) — https://sciencebasedtargets.org/corporate-net-zero-standard-v2

Über den Autor

Dr. Merlin C. Köhnke verantwortet bei Five Glaciers Consulting die Themen Treibhausgasbilanzierung, Methodik und Standards. Er begleitet Unternehmen bei Corporate und Product Carbon Footprints, bei der Abgrenzung von Scope-Kategorien und bei der prüffesten Dokumentation von Bilanzierungsentscheidungen. Kontakt: merlin.koehnke@fiveglaciers.com

FAQ zu Energy Attribute Certificates

Qualität, Abgrenzung und Regelstand: die häufigsten Fragen zu EACs

Die Antworten geben den Stand von September 2026 wieder.

01Was ist ein Energy Attribute Certificate (EAC)?▾

Ein EAC ist ein Herkunftsnachweis für eine Megawattstunde Strom aus erneuerbarer Erzeugung. Das Zertifikat dokumentiert die Umweltattribute dieser Erzeugung — Technologie, Standort, Erzeugungszeitraum — getrennt von der physischen Stromlieferung. Unternehmen erwerben und stornieren EACs, um ihren Stromverbrauch in der marktbasierten Scope-2-Bilanzierung als erneuerbar auszuweisen. Je nach Markt heißen sie Guarantees of Origin, REGOs, RECs oder I-RECs.

02Worin unterscheiden sich EACs und CO₂-Kompensation?▾

EACs wirken innerhalb der eigenen Bilanz: Sie senken die marktbasiert berechneten Scope-2-Emissionen aus dem eigenen Stromverbrauch. CO₂-Kompensationen wirken außerhalb der Wertschöpfungskette, indem sie Emissionen über Klimaschutzprojekte Dritter ausgleichen. Der Unterschied ist bilanziell wie kommunikativ erheblich: EACs verändern die ausgewiesene Emissionsmenge, Kompensationen nicht. Zielsetzungsprogramme behandeln beide Instrumente entsprechend unterschiedlich und lassen Kompensationen für Scope-2-Ziele in der Regel nicht zu.

03Welche Qualitätskriterien muss ein EAC erfüllen?▾

Fünf Kriterien entscheiden über die Belastbarkeit: Exklusivanspruch (nur einmal beansprucht), Marktgrenze (Nachweis und Verbrauch im selben Strommarkt), zeitlicher Bezug (Stornierung binnen zwölf Monaten nach dem Verbrauchsjahr), Inbetriebnahmedatum (offengelegt; RE100 orientiert sich an fünfzehn Jahren) und Offenlegung von Erzeugungsart, Standort und Inbetriebnahme. Fehlt eines davon, ist der Anspruch angreifbar — unabhängig davon, wie hochwertig die Zertifikate ansonsten sind.

04Sind EACs Greenwashing?▾

Nein — die Kritik trifft in der Praxis fast nie das Instrument, sondern die Offenlegung. Ein EAC, der im richtigen Markt beschafft, fristgerecht storniert und mit Erzeugungsart, Standort und Inbetriebnahmedatum ausgewiesen wird, ist ein überprüfbarer Nachweis und von RE100, CDP und dem GHG Protocol anerkannt. Angreifbar wird eine Aussage dort, wo diese Angaben fehlen oder der Nachweis aus einem fremden Strommarkt stammt.

05Ändert die Überarbeitung des GHG Protocol die Anrechnung von EACs?▾

Perspektivisch ja, aber nichts ist beschlossen. Die Scope-2-Konsultation ergab ein breites Meinungsspektrum; geprüft wird, ob mehrere Berichtsansätze nebeneinander angeboten werden. Die Scope-2-Guidance geht zudem in einen gemeinsamen Standard von GHG Protocol und ISO auf, dessen Konsultation für das zweite Quartal 2027 und dessen Veröffentlichung für das vierte Quartal 2028 angesetzt ist. Bis dahin gilt die Scope 2 Guidance von 2015 unverändert.

06Was tun, wenn es am Standort kein lokales Nachweissystem gibt?▾

Dann ist der Bezug aus einem Nachbarland mit Netzkopplung der übliche Weg; RE100 und das GHG Protocol lassen das zu. Entscheidend ist, die Abweichung offenzulegen: im Bericht benennen, dass für den betreffenden Standort kein lokales System existiert und aus welchem Markt der Nachweis stammt. Eine unkommentierte Beschaffung aus einem entfernten Markt ist dagegen der klassische Angriffspunkt.

07Wann lohnt sich ein PPA statt unbundled EACs?▾

Ein Power Purchase Agreement lohnt sich, wenn Abnahmemenge und Laufzeithorizont es tragen — es bindet zehn bis fünfzehn Jahre, sichert den Strompreis und stützt den Bau neuer Anlagen. Unbundled EACs sind flexibler, günstiger und für verteilte oder angemietete Standorte oft die einzige praktikable Option. Beides schließt sich nicht aus: EACs decken die Zeit bis zur Inbetriebnahme eines PPA-Projekts ab, in der noch keine Zertifikate daraus fließen.

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